Der Mythos:
"Ende der 60er Jahre entwickelte das U.S. Verteidigungsministerium
ein Computernetzwerk namens ARPAnet, welches am 1.9.1969 an der University
of California, Los Angeles (UCLA) in Betrieb genommen wurde. Es sollte auch
bei einem Ausfall von Teilen des Netzwerkes durch einen nuklearen Angriff
weiter funktionieren und so die akademische und militärische Forschung
sicherstellen."
Die Wahrheit:
Wie Katie Hafner und Matthew Lyon in ihrem Buch "ARPA Kadabra -
Die Geschichte des Internet" darlegen, hatte das ARPAnet in Wirklichkeit
nichts mit der Unterstützung eines nuklearen Krieges zu tun. Im Gegenteil
ging es den Wissenschaftlern darum, die Computer von verschiedenen wissenschaftlichen
Instituten des Landes zu verbinden, um gemeinsam Ressourcen nutzen zu können.
Tatsächlich begann die ganze Entwicklung damit, daß Bob Taylor,
ein Mitarbeiter der Defence Department's Advanced Research Projects Agency
(ARPA), sich über ein technisches Problem in seiner Abteilung ärgerte:
Es waren drei verschiedene Computer-Terminals notwendig, um die ARPA mit
drei Computersystemen von Universitäten zu verbinden. Taylors Ziel
war es, einen Weg zu finden, um die drei unterschiedlichen Systeme zu vernetzen.
Computernetzwerke existierten zu dieser Zeit - in den 60er Jahren - noch
nicht, außer in den Köpfen einer Handvoll Wissenschaftler. Einer
davon war J.C.R. Licklider, ein Wissenschaftler am MIT, der zusammen mit
Taylor 1967 das erste Papier zum Thema Internet verfaßte ("The
Computer as a Commuications Device"). In einer Zeit, als Computer im
allgemeinen nur als riesige Rechenmaschinen gesehen wurden, erkannten Taylor
und Licklider ihr Potential als Kommunikationsinstrumente. Das ARPAnet,
das sie gemeinsam mit einer kleinen Gruppe von Wissenschaflern und Ingenieuren
entwickelten, wurde später zur Grundlage für das heutige Internet.
1969 vergab ARPA den Auftrag für den Bau des IMP (Interface Message
Processor) an die Firma Bolt Beranek and Newman. Der IMP war der wichtigste
Bestandteil des zukünftigen Netzwerkes. Obwohl selbst große Firmen
wie AT&T und IBM abgelehnt hatten - sie hielten das Projekt für
nicht realisierbar - nahm "Bolt Beranek und Newman" (BBN) an.
Ein halbes Dutzend Ingenieure, die sich selbst als die "IMP-Guys"
bezeichneten, arbeitete nun rund um die Uhr und schafften es tatsächlich,
den IMP in der vorgegebenen Zeit zu bauen. Neun Monate später konnte
der erste IMP an der University of California (UCLA), Los Angeles, installiert
werden.
Ein landesweites Netzwerk, genannt ARPAnet, wurde ab jetzt ständig
weiterentwickelt. Dabei machten die Entwickler - eher zufällig - eine
Reihe von nützlichen Entdeckungen wie zum Beispiel E-Mail, das wichtigste
Kommunikationsmedium seit Erfindung des Telefons. Das ARPAnet schloß
sich am Ende mit anderen Netzwerken zusammen, um zum heutigen Internet zu
werden. Die Rechner des ARPAnet wurden 1990 abgeschaltet, nachdem das ursprüngliche Netz vollständig mit dem Internet verschmolzen war, das es selbst hervorgebracht
hatte.