10 Jetzt kommt Bewegung ins Spiel …

In diesem Kapitel erfährst du, wie du mit dem Calliope mini Motoren steuern kannst.

Die Einführung zu diesem Kapitel wurde von Mario Lukas geschrieben, ebenso wie das Projekt »Der Calliope-Tee-Roboter«. Das Projekt »Das lichtscheue Borstentier« ist von Lina Wassong.

10.1 Wie funktioniert ein Elektromotor?

Ganz gleich, ob elektrische Zahnbürste, Waschmaschine, CD-Player oder große Lokomotiven: In all diesen Geräten und Maschinen befindet sich ein Elektromotor. Du fragst dich nun sicher, wie ein solcher Elektromotor funktioniert. Alle Elektromotoren funktionieren nach dem gleichen Prinzip. Dabei wird Elektrizität in eine mechanische Bewegung umgewandelt. Vielleicht bist du jetzt ein wenig verwirrt und findest, dass alles sehr kompliziert klingt. Keine Angst, so kompliziert ist es wirklich nicht.

Abb. 10–1 Motoren werden vom Calliope mini gesteuert

Eigentlich brauchst du nur drei Zutaten, um einen funktionierenden Elektromotor zu bauen:

Abb. 10–2 Die Zutaten für einen Motor

Eine Drahtspule kann ein einfaches Stück Draht sein, das in eine spezielle Form gewickelt ist. Das Spannende passiert, wenn du eine Batterie an die Enden der Drahtspule anschließt. Die Spule wird dann nämlich auch zu einem Magneten. Genau genommen spricht man dann von einem Elektromagneten. Genau wie ein normaler Magnet besitzt auch der Elektromagnet einen Nord- und einen Südpol. Je nachdem, wie herum du Plus und Minus der Batterie anschließt, ändert sich die Position von Nord- und Südpol.

Positionierst du die Spule nun in der Mitte des Hufeisenmagneten und schließt die Batterie an, dreht sich die Spule. Was ist passiert? Eine wichtige Eigenschaft von Magneten ist, dass sich die unterschiedlichen Pole (Nord- und Südpol) gegenseitig anziehen. Gleiche Pole hingegen stoßen sich ab. Diese Regel gilt gleichermaßen für den Elektromagneten und den Hufeisenmagneten. Wie du ja weißt, besitzt die Spule mit angeschlossener Batterie einen Nord- und einen Südpol. Je nachdem, wie die Spule nun zum Hufeisenmagneten ausgerichtet ist, ziehen sich die Pole der beiden Magnete an oder stoßen sich ab – es entsteht also eine Bewegung. Damit ist der einfache Elektromotor fast fertig. Der Elektromotor kann bisher jedoch nur eine halbe Umdrehung schaffen. Er bleibt an der Position stehen, wo sich die Pole der beiden Magneten nur noch anziehen. Wie oben bereits erwähnt, kann man die Position der Pole des Elektromagneten ganz einfach verändern, indem man die Batterie andersherum anschließt. Wenn das geschehen ist, dreht die Spule sich eine halbe Umdrehung weiter. Damit man jedoch nicht ständig die Batterie umdrehen muss, gibt es in einem richtigen Elektromotor einen sogenannten Kommutator. Der Kommutator unterbricht automatisch die Stromverbindung und sorgt dafür, dass der Strom in einer anderen Richtung durch die Spule fließt.

Abb. 10–3 Der Kommutator unterbricht die Stromverbindung

10.1.1 Wie funktioniert ein Servomotor?

Wie ein Elektromotor funktioniert, hast du gerade gelernt. Ein Servomotor ist eine spezielle Form des Elektromotors. Ein Servomotor besitzt zusätzlich noch Zahnräder, die man Getriebe nennt, und eine Elektronik. Die Elektronik sorgt dafür, dass sich der Servomotor nicht wie ein normaler Elektromotor andauernd dreht, sondern nur an vorher festgelegten Positionen. Leider kann ein Servomotor deshalb aber auch nur die Hälfte einer ganzen Umdrehung schaffen. Das Tolle ist jedoch, dass du die genaue Position auf dieser halben Umdrehung selbst bestimmen kannst.

Wie du auf der Abbildung sehen kannst, hat ein Servomotor nicht nur zwei Anschlüsse für Plus und Minus, sondern noch einen dritten. Genau über diesen Anschluss wird dem Servomotor die gewünschte Position mitgeteilt, also die Elektronik bedient.

Abb. 10–4 Der Servomotor

10.1.2 Motoren mit dem Calliope mini ansteuern

Natürlich kannst du Motoren mit deinem Calliope ansteuern, genau genommen sogar bis zu zwei Motoren gleichzeitig. Jedoch musst du darauf achten, wie die Motoren am Calliope angeschlossen werden. Auf dem nächsten Bild kannst du sehen, wie ein einzelner Motor am Calliope mini angeschlossen wird.

Abb. 10–5 Anschluss eines einzelnen Motors an den Calliope mini

Damit der Motor sich dreht, musst du deinem Calliope mini natürlich über ein Programm sagen, was er machen soll.

Motoren am Calliope anschließen

Du kannst Motoren nicht an jedem beliebigen Pin deines Calliope anschließen. Zum Anschließen von Motoren sind an deinem Calliope die Löcher unten vorgesehen. Dort kannst du die Kabel für die Motoren direkt anlöten. Praktischer ist es jedoch, wenn du dort sogenannte Stiftleisten anlötest. Am besten fragst du einen Erwachsenen, ob er dir dabei hilft.

Abb. 10–6 Hier siehst du die Stiftleisten des Calliope mini in Nahaufnahme

Das einfachste Programm, um einen Motor anzusteuern, besteht aus einem »beim Start«-Programmierbefehl, gefolgt von einem »Motor an mit 50«-Befehl. Die Zahl 50 legt dabei fest, wie schnell sich der Motor drehen soll. Wenn du den Motor nach einer Weile wieder stoppen möchtest, benötigst du einen weiteren Programmierbefehl für Motoren, nämlich »Motor auslaufen«. Über das Auswahlfeld beim Programmierbefehl »Motor auslaufen« kannst du zusätzlich alternativ zwischen »Motor Pause« und »Motor schlafen« wählen.

Abb. 10–7 Motor an

Abb. 10–8 Motor aus

Motorgeschwindigkeit und Richtung

Du kannst eine Motorgeschwindigkeit zwischen 0 und 100 wählen. Wenn du ein Minuszeichen vor die Zahl schreibst, läuft dein Motor in die andere Richtung. Der Richtungswechsel funktioniert aber nur, wenn ein Motor angeschlossen ist.

Falls du planst, einen Roboter auf Rädern zu bauen, benötigst du zum Lenken zwei Motoren. Um zwei Motoren am Calliope mini zu betreiben, musst du die Motoren wie auf dem folgenden Bild an dein Calliope-Board anschließen.

Abb. 10–9 So werden zwei Motoren an deinen Calliope mini angeschlossen

Dann kannst du mit dem Programmierbefehl »Motor A mit 50« den Motor A zum Drehen bringen.

Abb. 10–10 Motor A erhält einen Befehl

Über das Auswahlfeld kannst du entscheiden, ob nur Motor A, nur Motor B oder Motor A und B gleichzeitig drehen sollen.

Abb. 10–11 Einer oder beide Motoren

Ein Servomotor lässt sich viel leichter an deinem Calliope anschließen als Motoren. Denn du kannst wie gewohnt die großen Kontakte an deinem Calliope benutzen. Hierzu schließt du das schwarze Kabel des Servomotors an den »-»Kontakt an. Das rote Kabel musst du an »+« anschließen. Nun musst du den Servomotor nur noch an einen Pin des Calliope anschließen. Du kannst dazu zwischen Pin 1 und 2 wählen. In der Abbildung wurde das gelbe Signalkabel des Servomotors an Pin 1 angeschlossen.

Abb. 10–12 So schließt du einen Servomotor an den Calliope mini an

Mit einem einfachen Programm kannst du deinen Servomotor nun in Bewegung setzen. Hierzu ziehst du den Programmierbefehl »beim Start« auf die Programmierfläche und ergänzt dein Programm anschließend um den Programmierbefehl »schreibe Servo an Pin P1 auf 180«. Die Programmierbefehle für den Servomotor verstecken sich in der Gruppe »Fortgeschritten« der Programmierbefehle und dort wiederum in der Gruppe »Pins«. Fertig. Dieser Programmierbefehl sorgt dafür, dass dein Servomotor eine halbe Umdrehung macht.

Abb. 10–13 Der Servo am Calliope mini macht eine halbe Umdrehung

Abb. 10–14 Der Calliope-Tee-Roboter im Einsatz

Du hast bereits gelernt, wie dein Calliope mini einen Servomotor steuern kann. Jetzt ist es an der Zeit, das erste richtige Projekt mit einem Servomotor zu basteln. Sicher hast du dir schon einmal einen Tee zubereitet. Du weißt, dass man dazu eine Tasse mit heißem Wasser benötigt, in die man einen Teebeutel legt. Danach wartest du ein paar Minuten und nimmst den Teebeutel wieder aus dem heißen Wasser. Dabei musst du ständig die Zeit im Auge behalten, damit du den Teebeutel genau zum richtigen Zeitpunkt aus der Tasse ziehen kannst. Genau diese Aufgabe kannst du bequem von deinem Calliope erledigen lassen. Du benötigst dazu nur wenige Dinge:

Bevor du mit der Programmierung des Calliope minis beginnen kannst, musst du noch ein wenig basteln. Du beginnst damit, den Servomotor vorzubereiten. Knipse hierzu mit einer Zange eine Seite des Servo-Arms ab.

Abb. 10–15 Ein Servo-Arm wird entfernt

Als Nächstes knipst du mit der Zange den Stecker am Servomotor-Kabel ab. Spreize jetzt die Kabel auseinander. Anschließend kannst du die Kabelenden mit einer Zange entmanteln. Die Kabel sind sehr dünn, deshalb musst du ganz vorsichtig vorgehen.

Abb. 10–16 Die gespreitzten Kabel sind bereit zum Entmanteln.

Abb. 10–17 Die Kabelenden werden entmantelt.

Den schwierigen Teil hast du zum Glück geschafft. Als Nächstes klebst du den Servomotor mit Klebeband so auf das größere Gefäß – hier eine Tasse –, dass der Servo-Arm nach oben zeigt.

Abb. 10–18 Der Servo wird an der Tasse befestigt.

Schneide jetzt die Knickstelle an dem Trinkhalm ab. Damit du den Teebeutel später besser befestigen kannst, schneidest du den Trinkhalm an einem Ende ca. 1 cm weit ein. Dann klebst du den Trinkhalm mit dem anderen Ende an den Servo-Arm.

Abb. 10–19 Der Strohhalm wird präpariert.

Abb. 10–20 Der Strohhalm wird ca. einen Zentimeter eingeschnitten, ...

Abb. 10–21 … mit Kleber versehen …

Abb. 10–22 … und schließlich am Servo-Arm befestigt.

Um den Tee-Roboter fertigzustellen, musst du noch den Calliope mini am Servomotor anschließen. Nimm die Krokodilklemmen zur Hand und verbinde jedes Kabel des Servomotors mit einer Krokodilklemme. Die anderen Enden werden am Calliope mini angeschlossen. Das gelbe Servomotor-Kabel muss an den Pin1 des Calliope-Boards geklemmt werden. Das schwarze Kabel musst du an »-« am Calliope mini anschließen. Es bleibt noch das rote Kabel, das du an »+« an deinem Calliope anschließt.

Abb. 10–23 Beachte die Kabelfarben beim Anschließen

Abb. 10–24 Und so werden die Krokodilsklemmen an den Calliope mini angeschlossen.

Am eingeschnittenen Ende des Trinkhalms kannst du nun einen Teebeutel befestigen. Darunter stellst du eine Tasse. Der Aufbau des Tee-Roboters ist jetzt fertig.

Abb. 10–25 Der fertige Aufbau

Gut, du hast alles vorbereitet. Wie immer musst du deinem Calliope mini nun noch in Form eines Programms sagen, was er tun soll. Da du den genauen Startzeitpunkt selber festlegen möchtest, beginnst du mit dem Programmierbefehl »wenn Knopf A gedrückt«.

Abb. 10–26 Die Programmierung geht los

Nachdem der Knopf A gedrückt wurde, soll dein Calliope also den Servomotor bewegen. Da du den Teebeutel zu Beginn des Programms in die Tasse absenken möchtest, beginnst du mit dem Programmierbefehl »schreibe Servo an Pin P1 auf 0«. Am Ende möchtest du, dass der Teebeutel wieder aus der Tasse gezogen wird. Hierzu verwendest du den gleichen Programmierbefehl noch einmal, allerdings änderst du die Zahl der Servo-Position auf 30.

Allerdings änderst du die Zahl der Servo-Position. In Abb. 10–27 wird die Servo-Position 180 gewählt. Da die verwendeten Gläser unterschiedliche Höhen haben können, musst du hier mit der Servo-Position etwas experimentieren. Eine gute Startposition könnte zum Beispiel 30 sein.

Abb. 10–27 Der Teebeutel wird in die Tasse gesenkt und wieder herausgezogen.

Wenn du dieses Programm nun ausprobierst, wirst du feststellen, dass der Teebeutel sofort sehr schnell in die Tasse abgesenkt und auch sehr schnell wieder herausgezogen wird. Du brauchst also noch eine Pause zwischen den beiden Servomotor-Programmierbefehlen. Um eine Pause zu erzeugen, fügst du zwischen die Servomotor-Programmierbefehle einfach den Programmierbefehl »pausiere (ms) 1000« und änderst die Zahl 1000 auf 60000.

Abb. 10–28 Mit »pausiere…« legst du die Zeit fest, wie lange der Teebeutel abgesenkt bleiben soll.

Etwas über Zeit

Mit dem Programmierbefehl »pausiere« kannst du die Zeit in ms (Millisekunden) angeben. Es gilt also: 1000 Millisekunden entsprechen einer Sekunde. Somit entsprechen 60000 Millisekunden einer Minute.

Wenn du das Programm nun ausprobierst, wirst du feststellen, dass dein Servomotor den Beutel in die Tasse absenkt, dein Calliope mini genau eine Minute wartet – und erst dann wird der Teebeutel vom Servomotor wieder aus der Tasse gezogen.

Abb. 10–29 Dreimal 6000 Millisekunden ergeben …?

Du kannst nun die Zeit verlängern, indem du mehrere »pausiere (ms) 60000«- Programmierbefehle hintereinander einfügst. Das Programm in der Abbildung wartet genau drei Minuten, bis der Servomotor den Teebeutel aus der Tasse zieht.

10.3 Das lichtscheue Borstentier

Das Calliope-Borstentier ist ein sehr lichtscheuer Mikrocontroller. Immer wenn es zu hell wird, wacht das Borstentier auf und krabbelt so lange herum, bis es ein dunkleres Versteck gefunden hat. Erst dann kann das Calliope-Borstentier in Ruhe weiterschlafen.

Möchtest du auch gerne so ein Tierchen in deinem Zimmer herumkrabbeln lassen? Kein Problem! Alles, was du wissen musst, um dein eigenes Borstentier zu programmieren und zusammenzubauen, findest du auf den nächsten Seiten.

Abb. 10–30 Das lichtscheue Borstentier

10.3.1 Materialien und Werkzeuge

Abb. 10–31 Materialien für das Borstentier

Wie viele? Was Anmerkung
1 Calliope
1 Battery-Pack
2 Batterien
2 Vibrationsmotor 4 cm
2 Zahnbürstenkopf
1 Lötkolben
1 Lötzinn
1 Zange
1 Heißklebepistole mit Patrone
2 Kugelaugen

Tab. 10–1 Materialien für das Calliope-Borstentier

10.3.2 Wie funktioniert das Borstentier?

Immer wenn es dem Borstentier zu hell wird, sucht es sich es einen dunkleren Platz. Um mit Helligkeit und Dunkelheit zu arbeiten, kennst bereits den Licht­sensor. Damit kannst du die Lichtwerte messen und in dein Programm einbinden. Wie kann sich aber dein Calliope durch den Raum bewegen? Es hat ja schließlich keine Beine …

In diesem Kapitel hast du schon einiges über Motoren erfahren. Auch für das Borstentier werden wir Motoren verwenden, nämlich zwei Vibrationsmotoren. Diese Vibrationsmotoren werden mit dem Calliope mini verbunden und auf die Unterseite des Boards geklebt. Unter die Motoren werden nochmals zwei Zahnbürstenköpfe geklebt.

Und nun macht das Programm Folgendes: Immer wenn der Lichtsensor einen zu hohen Helligkeitswert misst, lässt der Calliope mini die Motoren vibrieren. Die Vibration überträgt sich auf Zahnbürstenköpfe und das Borstentier setzt sich in Bewegung. Sobald der Lichtsensor Dunkelheit misst, hören die Motoren auf zu vibrieren. Das Tierchen bleibt stehen und kann weiterschlafen.

10.4 Der Vibrationsmotor

Vibrationsmotoren werden im Alltag häufig als Signalgeber eingesetzt. Zum Beispiel im Smartphone, wenn neue Nachrichten oder Anrufe eintreffen. Oder für Feedback, wenn Eingaben über den sogenannten Touchscreen erfolgen. Und auch Lautsprecher haben einen Vibrationsmotor, der Schwingungen erzeugt, die wir hören können. In diesem Projekt verwenden wir einen etwas größeren und somit stärkeren Vibrationsmotor, damit dein Borstentier genug Kraft hat, herumzukrabbeln.

Abb. 10–32 Der Vibrationsmotor

Wie funktioniert ein Vibrationsmotor?

Es gibt unterschiedliche Arten von Vibrationsmotoren, aber in ihrer Funktionsweise sind sie sich sehr ähnlich. Immer dann, wenn der Motor mit Strom versorgt wird, erzeugt er eine Unwucht. Von einer Unwucht spricht man, wenn sich ein Körper ungleichmäßig dreht oder schwingt. Durch diese ungleichmäßige Bewegung entsteht am Ende die Vibration.

Das klingt jetzt etwas kompliziert, deswegen schauen wir uns ein Beispiel an: Ein Rad am Auto ist rund und dreht sich normalerweise gleichmäßig. Das geschieht, weil das Gewicht des Rades überall gleichmäßig verteilt ist. Die obere Seite ist also nicht schwerer als die untere Seite usw. Außerdem sind die Schrauben, mit denen ein Rad an der Achse befestigt ist, gleichmäßig fest angezogen. Fährt das Auto, drehen sich alle vier Räder gleich. Ist aber ein Rad nicht richtig angebracht, kann sich das Gewicht nicht gleichmäßig verteilen und somit das Rad nicht gleichmäßig drehen. Das Rad fängt an zu »eiern« und gerät sozusagen »aus der Bahn«. Spätestens wenn das Lenkrad anfängt zu vibrieren, merkt auch der Fahrer die Unwucht und sollte unbedingt seine vier Räder überprüfen. Frag doch mal einen Autofahrer, ob er bereits Erfahrungen mit einer Unwucht beim Autofahren gemacht hat.

10.4.1 … und jetzt zur Programmierung deines Borstentiers

Du verwendest zum Programmieren den Online-PXT-Editor, den du unter folgendem Link erreichst: https://mini.pxt.io/ Solltest du zum Editor noch Fragen haben, findest du dazu in Abschnitt 2.2.1 eine Anleitung. Wenn du mit der Umgebung schon vertraut bist, umso besser. Legen wir gleich los:

10.4.2 Zu Beginn

Wie du sicherlich bereits weißt, braucht jedes Projekt einen guten Namen. Wie wäre es mit Borstentier-Programm? So kannst du es leicht von anderen Programmen unterscheiden. Schreib den Namen in die Box »Wähle einen Namen ...«, die du unten links findest. Danach ziehst du den Grundlagenblock »dauerhaft« in dein Programmierfeld.

Abb. 10–33 Programm starten

10.4.3 Die Logik im Spiel

Immer wenn es hell ist, dann soll dein Borstentier krabbeln. Ansonsten soll es schlafen. Das klingt doch sehr nach einem »Logik«-Programmierbefehl, oder? Genau diesen Befehl findest du im »Logik«-Menü. Wähl ihn aus und schieb ihn in deinen »dauerhaft«-Block hinein.

Abb. 10–34 »Logik«- Programmierbefehl einsetzen

10.4.4 Die Helligkeitswerte vergleichen

Im nächsten Schritt baust du einen »Vergleichs«-Programmierbefehl ein, um die gegebene Helligkeit mit deinem vorgegebenen Wert zu vergleichen. Auch diesen Programmierbefehl findest du im Menü »Logik«.

Abb. 10–35 Vergleich programmieren

Danach setzt du den »Lichtstärke«-Block ein, der den Lichtsensor die Helligkeitswerte auslesen lässt.

Abb. 10–36 Lichtstärke einsetzen

Zum Schluss musst du noch einen Wert zwischen 0 und 255 festlegen, der dein Borstentier zum Krabbeln bringt. In diesem Fall ist es der Wert 50. Immer wenn der Lichtsensor einen Wert misst, der größer als 50 ist, sucht sich das lichtscheue Tier einen dunkleren Ort. Findet es einen Platz mit einem Helligkeitswert unter 50, hört es auf zu krabbeln.

Hier kannst du gerne verschiedene Werte ausprobieren, bis du einen findest, der für dein Projekt genau richtig ist.

Abb. 10–37 Lichtstärke einsetzen

10.4.5 … und jetzt zu den Motoren

Jetzt programmierst du die beiden Motoren. Hierfür setzt du den »Motor-A-mit-0«-Block hinter das »dann« im »Logik«-Programmierbefehl.

Abb. 10–38 »Motor A« einsetzen …

Genau den gleichen »Motor«-Programmierbefehl setzt du noch einmal darunter. Mit einem Doppelklick auf das »A« öffnet sich ein Menü, aus du »B« wählst. Jetzt hast du insgesamt zwei Motoren, »Motor A« und »Motor B«, in dein Programm eingebaut.

Abb. 10–39 … und »Motor B«

Beide Motoren sind mit 0 Prozent Leistung vorprogrammiert, das heißt, dass sie einfach aus sind. Zeit, das zu ändern, schließlich sollen sie ja vibrieren. Je nachdem, wie stark sich dein Tierchen bewegen soll, trägst du hier eine Zahl zwischen 1 und 100 ein.

Abb. 10–40 Vibrationsstärke programmieren

10.4.6 Und wie schläft das Borstentier wieder ein?

Bisher fangen in deinem Programm beide Motoren an zu vibrieren, wenn es für das Borstentier zu hell wird. Wie können die Motoren nun ausgeschaltet werde, damit das Tier wieder einschläft? Zum Glück haben wir noch ein leeres »ansonsten« in unserem »Logik«-Programmierbefehl stehen. In dieses »ansonsten« baust du einfach zwei Motorblöcke ein und stellst den Wert auf 0 herunter. Vergiss nicht, den zweiten Motor in »Motor B« umzubenennen.

Abb. 10–41 Das fertige Borstentier-Programm

Wunderbar, dein lichtscheues Borstentier-Programm ist fertig! Jetzt speichert du das Programm wie gehabt auf deinem Computer ab und kopierst es auf deinen Calliope, der über ein USB-Kabel mit deinem Computer verbunden ist.

10.4.7 Das Borstentier basteln

Die Programmierarbeit ist getan. Aber jetzt musst du deinen Calliope mini noch irgendwie in ein Borstentier verwandeln, oder? In den nächsten Schritten erfährst du, wie leicht sich das Tier zusammenbauen lässt.

10.4.8 Anschließen der Motoren

Deine zwei Vibrationsmotoren haben genau zwei Kabel. Über das eine Kabel wird der Motor mit Strom versorgt und über das andere Kabel fließt der Strom wieder ab. Hierbei spielt es keine Rolle, welches Kabel des Motors an den Minus- bzw. Pluspol angeschlossen wird.

In der Abbildung kannst du die vier Anschlüsse für die beiden Motoren sehen, die du bereits programmiert hast. Die beiden äußeren Pins sind Minuspole und bei den beiden inneren Pins handelt es sich um Pluspole.

Abb. 10–42 Anschluss der Vibrationsmotoren

Da das ganze Tierchen nachher vibrieren wird, sollten die Kabel gut an dem Calliope-Board befestigt sein. Sie werden also festgelötet. Hierfür wird jeweils das Kabelende entmantelt. Das heißt, dass das Gummi um den Draht herum entfernt wird. Dann werden die Kabelenden in den jeweiligen Pin geschoben und mit einem Lötkolben und etwas Lötzinn fixiert.

Damit der Lötkolben das Lötzinn schmelzen kann, muss der Lötkolben ganz heiß werden. Oft sind es Temperaturen über 300 ° Celsius. Da man sich sehr leicht daran verbrennen kann, solltest du einen Erwachsenen um Hilfe fragen. Bestimmt habt ihr bereits einen Lötkolben bei euch Zuhause. Frag einfach einmal nach!

Abb. 10–43 Festlöten der Motorenkabel

10.4.9 Befestigen der Motoren und der Batteriebox

Jetzt sind die Motorenkabel an den Calliope mini gelötet, und du solltest die Motoren auf die Unterseite kleben, damit sie die Vibration gut übertragen. Hierfür eignet sich am besten eine Heißklebepistole. Vorsicht: Wie der Name bereits sagt, ist eine Heißklebepistole wirklich heiß!

Abb. 10–44 Motoren auf den Calliope mini kleben

Befestige die Motoren, wie in der unteren Abbildung, am äußeren Rand des Boards. So ist zwischen den Motoren noch genügend Platz, um die Batteriehalterung anzubringen. Die Batteriebox wird mit doppelseitigem Klebeband auf das Calliope-Board geklebt, damit sie wieder abgenommen werden kann, um Batterien auszutauschen. Dein lichtempfindliches Borstentier braucht natürlich Strom, damit es funktioniert.

Abb. 10–45 Die Batteriebox wird aufgeklebt

10.4.10 Zahnbürstenköpfe anbringen

Für den nächsten Schritt fragst du wieder einen Erwachsenen um Hilfe. Mit einer scharfen Zange trennst du jetzt die Köpfe der zwei Zahnbürsten ab. Aber Achtung: Beim Abtrennen können die Zahnbürstenköpfe ganz schön schnell durch die Gegend fliegen!

Halte nach Zahnbürstenköpfen ohne Stiel Ausschau:

In manchen Drogeriemärkten werden Zahnbürstenköpfe bereits ohne Bürstenstiel verkauft. Dann müssen sie nicht extra abgetrennt werden. Auch in diesem Projekt wurden Zahnbürstenköpfe ohne Stiel verwendet.

Abb. 10–46 Die aufgeklebten Zahnbürstenköpfe

Um die Bürsten auf die Unterseite der Motoren zu kleben, eignet sich wieder Heißkleber sehr gut. Trage jeweils etwas Kleber auf den Zahnbürstenkopf auf und drücke ihn anschließend so lange auf den Motor, bis der Kleber ausgetrocknet ist.

10.4.11 Den Calliope in ein Borstentier verwandeln

Na ja, in ein echtes Tier verwandeln kannst du deinen Calliope mini leider nicht. Aber in etwas Ähnliches – und dafür fehlt ihm noch etwas Wichtiges: die Kugel­augen. Bei diesem Borstentier wurde zuerst etwas Draht um die zwei vorderen Pins gewickelt und anschließend wurden die Kugelaugen aufgeklebt. Jetzt kann das Borstentier sehen, wo es überall entlang krabbelt.

Abb. 10–47 Das fertige Borstentier

Natürlich kannst du dein Tierchen auch so programmieren, dass es anfängt zu krabbeln, sobald es zu dunkel wird. Oder du programmierst doch den Temperatursensor, und das Borstentier reagiert auf Wärme oder Kälte? Es könnte auch anfangen, zu blinken und zu piepsen, sobald es sich in Bewegung setzt …

In diesem Sinne: Viel Spaß beim Basteln!

10.4.12 Was ist noch möglich?

Es gibt weitere Programmiersprachen

Bevor du die letzten Bastelschritte am Borstentier vornimmst, nämlich die Kugelaugen anbringen, steht noch ein Blick in die Zukunft an, und zwar in deine Zukunft als Programmiererin oder Programmierer.

In diesem Buch hast du alle Projekte mit Hilfe der praktischen Programmiersprache durchgeführt, die aus Blöcken und Blockbefehlen besteht. In dem PXT-Editor, der für alle Projekte dieses Buches verwendet wurde, gibt es ein tolle Möglichkeit, das von dir erstellte Programm auch in einer anderen Programmiersprache darstellen zu lassen.

Eine weitere, weit verbreitete Programmiersprache ist beispielsweise JavaScript. Sie sieht ganz anders aus als das, was du bisher in dem Buch gesehen und gelernt. Javascript besteht aus Codezeile anstatt aus Blöcken.

Im PXT-Editor hast du die Möglichkeit, dein Calliope-Programm, das du mit Blöcken erstellt hast, auch in Javascript-Code darzustellen. Du kannst das machen, indem du in der oberen Menü-Zeile rechts neben »Blöcke« den Button »Javascript« anklickst. Nun ändert sich im PXT-Editor die Darstellungsweise und Javascript-Programmiercode erscheint. Du kannst natürlich auch wieder zurück in den anderen Block-Code wechseln.

Spiel etwas damit rum und versuch zu verstehen, wie mit Javascript programmiert werden könnte.

Vieles wird dir dabei unklar bleiben, aber es ist eine tolle – und bequeme – Möglichkeit, zwei verschiedene Programmiermöglichkeiten miteinander zu vergleichen. Probier es mal aus!

Aber jetzt ist erst einmal Zeit für einen leckeren Tee …