HMD 238, 41. Jahrgang, August 2004

Open-Source-Software

Wandel der IT: Mehr als 20 Jahre freie Software

Bernhard E. Reiter

Zusammenfassung

Das GNU-Projekt unter Richard Stallman hat in den letzten 20 Jahren sowohl den Grundstein für die gängigen GNU/Linux-Betriebssysteme gelegt als auch die am weitesten verbreitete Lizenz mit der GNU GPL geschaffen und eine Definition freier Software entwickelt: Unbegrenzte Erlaubnis von (1) Nutzung, (2) Studium und Anpassung, (3) Weitergabe durch Kopie und (4) Weiterentwicklung. Andere Bezeichnungen für freie Software sind: Libre Software, Open Source, FOSS und FLOSS. Die zugehörigen Lizenzen lassen sich in vier Kategorien einteilen: starker Schutz (GNU GPL), schwacher Schutz (GNU LGPL), kein Schutz (X11) und Exoten. Freie Software zeichnet sich aus durch größere Vielfalt hinsichtlich des Entwicklungsmodells und des Wirtschaftsbezugs. Die Motive zur Entwicklung sind vielfältig. Abschätzen lässt sich, dass bereits 40% der eingesetzten freien Software im Hauptberuf entwickelt wird. Kommerzielle freie Software fördert den Wandel der IT hin zur Dienstleistung und verspricht mittel- bis langfristig deutlich niedrigere Gesamtbetriebskosten. Auch für die Kultur von Unternehmen kann freie Software nützlich sein, denn sie zeigt Lösungsansätze auf für das Kommunikationsproblem bei der Softwareentwicklung. Softwarepatente bedrohen nicht nur freie Software, sondern alle Softwarehersteller - insbesondere auch die großen. Da Software eine Kulturtechnik ist, kommt den Experten eine besondere Verantwortung zu.

Inhaltsübersicht

  1. Ursprünge freier Software
    1. Erstes bewusstes Projekt: GNU
    2. GNU in der Praxis: GNU/Linux
  2. Begriffe und Kategorien
    1. Bezeichnungen für freie Software
    2. Lizenzkategorien
  3. Eigenschaften freier Software
    1. Freiheit
    2. Wirtschaftsbezug
    3. Entwicklungsprozess
    4. Gemeinschaft
  4. Entwickler und ihre Motivation
  5. Chancen freier Software
    1. Kosten und Migration
    2. Unternehmenskultur und Kommunikation
    3. Vielfalt und geringere Abhängigkeit
  6. Softwarepatente
  7. Programmieren - das neue "Lesen und Schreiben"?
  8. Literatur