HMD 238, 41. Jahrgang, August 2004

Open-Source-Software

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Editorial

Heutzutage kommt kaum ein Büro ohne Computer aus, zahlreiche Haushalte sind ebenfalls mit mindestens einem Computer ausgestattet und in den Schulen hält er immer mehr Einzug. Der Computer nimmt in unserem Alltag eine zentrale Stellung ein. Hier stehen wir sicherlich erst am Anfang einer Entwicklung. Wie bei jeder Veränderung ist es wichtig, dass eine Basis geschaffen wird, bei der die Grundzüge unserer gesellschaftlichen Ordnung erhalten bleiben.

Unbehagen bereitet aber derzeit die Tatsache, dass sich der Betrieb des Computers im Wesentlichen auf eine einzelne Produktfamilie stützt. Waren bis vor einigen Jahren noch konkurrierende Systeme im Einsatz, so errang bekanntlichermaßen eine Produktfamilie eine Monopolstellung. Je nach Anwendungsbedarf steht dem Anwender eine Fülle an Hardwareangeboten zur Auswahl, dagegen ist er beispielsweise beim entsprechenden Betriebssystem weitgehend auf einen Anbieter angewiesen. Der Anwender nutzt folglich eine proprietäre Plattform, deren Softwarecode für ihn und für die Softwareentwicklergemeinschaft nicht einsehbar ist. Aus der Erfahrung aber wissen wir, dass Monokulturen jeglicher Art große Gefahren in sich bergen. Es mag wohl zum Teil bequem sein, sich eine Uniformierung überzustülpen, aber dabei dürfen wir die Augen nicht vor den Gefahren verschließen. Missbräuchliche Nutzung von Monopolstellungen ist uns allen bekannt.

Die Wurzeln offener und freier Software reichen schon sehr weit zurück. Ein markantes Datum ist dabei der Start des GNU-Projektes im Jahre 1983/84. In den ersten Jahren fehlte der offenen und freien Software ein eigenes Betriebssystem. Erst mit der Vorstellung von Linux zu Beginn der 90er Jahre war der Weg frei für eine eigenständige offene und freie Software vom Betriebssystem über eine professionelle Entwicklungsumgebung bis hin zur nützlichen Programmvielfalt. Aufgrund der weltweiten, professionellen und dezentralen Softwareentwicklung der vergangenen Jahrzehnte, verbunden mit der Offenlegung des Quellcodes, ist eine Vielzahl an Programmen auf hohem Niveau geschaffen worden, die lizenzkostenfrei zur Verfügung stehen. Durch diese Struktur entstand ein weltweit vermaschtes Netz an Softwareentwicklern und Anwendern, ein unbestreitbarer Garant für hohe Produktqualität und Kontinuität - der krasse Gegensatz zum Monopol.

Freie und offene Software, oder seit Ende der 90er Jahre durch eine Marketinginitiative mit etwas geänderter Grundlage als Open-Source-Software (bzw. Free and Open Source Software, FOSS) bezeichnet, bieten somit die Chance, derzeitige Monopolstrukturen in der IT-Welt zu überwinden. Die zurzeit zu beobachtenden weltweiten enormen Aktivitäten durch Wirtschaft und öffentliche Hand sind ein Schritt in die richtige Richtung. Beispielsweise hat man in der Lehre erstmals die Chance, allen Auszubildenden ein leistungsfähiges Office-Paket - mit Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentationssoftware -, das dem Vergleich mit kommerziellen Produkten nicht nur standhält, sondern z.T. überlegen ist, legal und kostenlos auszuhändigen - ein Meilenstein zur Chancengleichheit.

Abschließen möchte ich meine einleitenden Gedanken mit dem in unserer Gesellschaft immer lauter werdenden Wunsch: "Open Mind - Open Source - Open Europe." In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern ein interessantes Studium dieser Ausgabe verbunden mit der Hoffnung, Sie auf dem Weg zur Open-Source-Software ein Stück weiter zu bringen.

Mit den besten Grüßen