HMD 238, 41. Jahrgang, August 2004

Open-Source-Software

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Einwurf

von Array

Open Source - was ist eigentlich offen daran?

Es gibt verschiedene Open-Source-Modelle; das bekannteste ist die General Public Licence (GPL). Die Nutzung solcher Software steht jedermann offen, sofern er sie nicht verkauft. Die Software wird verschenkt und muss weiter verschenkt werden, wenn sie weitergegeben wird. Allerdings ist daran eine wichtige Bedingung geknüpft: Wer die Software verändert, muss seine Veränderungen ebenfalls unter genau der gleichen Bedingung frei verfügbar anbieten.

Das aber stinkt vielen Firmen, die ihre Software gegen Lizenzgebühren verkaufen wollen, allen voran Microsoft. Diese Firmen können eine gleichwertige Software nicht mehr so einfach wie bisher verkaufen, denn sie müssen gut begründen können, warum ihre Software Geld kosten soll, wo es doch ähnliche Software unentgeltlich gibt.

Wer Open-Source-Software erstellt, hat Aufwand: Er entwirft, kodiert und testet Software, ohne finanziellen Lohn dafür zu bekommen. Auch wer den Vorteil von Open Source nutzen will, hat erhöhten Aufwand: Er muss die Software ohne garantierte Unterstützung durch den Hersteller installieren und betreiben. Und wer den weiteren Vorteil nutzen will und sich selbst daran macht, Fehler der Software zu korrigieren oder funktionale Schwächen durch Ergänzungen zu beseitigen, hat erst recht viel Aufwand, denn er muss sich tief in den Sourcecode einarbeiten.

Wozu das alles?

Das stärkste Argument der Verfechter von Open Source ist die hohe Qualität, die sich mit diesem Verfahren erreichen lässt: Wenn viele Augen eine Software kritisch durchsehen, entdecken diese vielen Augen eben auch mehr Fehler oder Schwächen, als wenige Augen eines einzigen Herstellers entdecken können. Ein weiteres starkes Argument ist die Schnelligkeit, mit der Fehler beseitigt werden können: Wenn ein Fehler bekannt wird, kann sich meist sofort einer der Entwickler kompetent damit auseinander setzen und den Fehler beseitigen. Meist - garantiert ist das aber nicht. Im schlimmsten Fall kann es sehr lange dauern - oder es geschieht gar nie; schließlich gibt es keine Garantie, dass ein Fehler binnen einer definierten Zeit beseitigt wird, wie sie die Hersteller geben können, die Software gegen Lizenzgebühren verkaufen. Und genau darum geht der Streit.

Dieses Muster erinnert mich stark an den Streit zwischen Ethernet und Token Ring in den 80er Jahren: Ethernet mit seinem stochastischen Protokoll war zu jeder Zeit durchschnittlich schneller als Token Ring mit seinem deterministischen, konnte aber eine bestimmte Reaktionszeit nicht garantieren. Darum wurde viel gestritten. Lange hat IBM mit diesem Argument den Markt der LANs mit Token Ring (TR) beherrscht. Gewonnen hat dann aber doch Ethernet, das mit 10 Mbit/s begonnen hat und heute sogar mit 10 Gbit/s verfügbar ist. TR hat mit 4 Mbit/s begonnen und sich unter dem Konkurrenzdruck von Ethernet zwar gesteigert, ist heute aber vom Markt verschwunden. Ethernet hat sich als freiere Technik durchgesetzt.

In diesem Sinne grüßt Sie grübelnd
Michael Mörike

Dipl.-Physiker Michael Mörike Integrata-Stiftung Schleifmühleweg 70 72070 Tübingen michael.moerike@integrata-stiftung.de www.integrata-stiftung.de