HMD 249, 43. Jahrgang, Juni 2006

Product Lifecycle Management

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Editorial

Die Bedeutung des Themas Product Lifecycle Management (PLM) nimmt für Unternehmen der Fertigungsindustrie stetig zu. Dies liegt vor allem in der Hoffnung der Unternehmen begründet, durch die schnellere Einführung von neuen Produktvarianten, neuen und besseren Produktgenerationen oder gänzlich neuen, innovativen Produkten sich neue Marktanteile erschließen bzw. bestehende Marktanteile im globalen Wettbewerb absichern zu können. Dies führt zu immer kürzeren Produktlebenszyklen auf der einen und zu einem stetigen Anstieg von Produktneueinführungen in immer kürzeren Taktraten auf der anderen Seite.

Um diese gestiegenen Anforderungen an Geschwindigkeit, gezielte Steuerung der Innovationsfähigkeit, Komplexität der Produkte und Prozesse sowohl bei der Entwicklung als auch in der Produktion bis zum Kundenservice beherrschen zu können, sind die Unternehmen zunehmend gezwungen, sich in Netzwerken zu organisieren. Jedes Unternehmen als Teil des Netzwerkes übernimmt eine gemäß seiner Kernkompetenz spezialisierte Aufgabe im Planungs- und Entwicklungs-, im Fertigungs- oder im Verkaufs- und Serviceprozess. Informationen über Materialien, Komponenten und Produkte müssen schnell, fehlerfrei und automatisch zwischen den beteiligten Unternehmen ausgetauscht werden können, um im globalen Wettbewerb erfolgreich zu sein. Die Konzeption eines integrierten Product Lifecycle Management wird damit zu einer strategischen Notwendigkeit, um eine effiziente Zusammenarbeit in mehrschichtigen Zuliefer- und Servicenetzwerken zu gewährleisten.

Die erfolgreiche Umsetzung einer PLM-Konzeption innerhalb eines Unternehmens und über die Unternehmensgrenzen hinweg birgt jedoch eine Vielzahl von Herausforderungen. Vielfach hat jeder Bereich (Planung, Entwicklung, Einkauf, Fertigung, Vertrieb, Service) seine eigene Systemumgebung, so dass die Daten zu den Materialien, Komponenten und Produkten verteilt in verschiedenen mehr oder weniger integrierten Systemen abgelegt sind. Technisch stehen zwar heute die erforderlichen Werkzeuge und Techniken zur Verfügung, um einen geordneten Datenaustausch auch in komplexen Systemlandschaften zu bewerkstelligen. Die Systemintegration ist aber nur eine Facette, mindestens ebenso herausfordernd sind die Harmonisierung und Standardisierung auf der Geschäftsprozess- und Organisationsebene zwischen Entwicklern und Technikern, den Fertigungsingenieuren sowie Marketing-, Distributions- und Servicefachleuten. Die Aufwände und Konsequenzen auf der Ebene der Geschäftsprozesse, des Change-Managements sowie bei der Systemimplementierung dürfen bei einer umfassenden PLM-Einführung nicht unterschätzt werden.

Im vorliegenden HMD-Heft möchten wir Ihnen zusammen mit den Autoren vielfältige Anregungen geben, die Sie bei der Konzeption und Umsetzung einer erfolgreichen PLM-Strategie unterstützen können. Ausgehend von einem Grundlagenbeitrag, der die verschiedenen Elemente einer PLM-Konzeption sowie einen Überblick über ausgewählte Systemanbieter enthält, gefolgt von einer Studie über die möglichen Nutzenpotenziale von PLM werden konkrete Praxisbeispiele von Unternehmen verschiedener Branchen vorgestellt, die spezifische Aspekte bei der Umsetzung einer PLM-Strategie, wie z.B. den Innovationsprozess, den Serviceprozess, das Entwicklungscontrolling, das Produktdatenmanagement sowie die notwendige Qualifizierung und Weiterbildung der Mitarbeiter, beleuchten.

Herr Prof. Dr. Liebstückel, dem ich an dieser Stelle ganz herzlich für die Zusammenarbeit als Gastherausgeber bei der Erstellung dieses HMD-Schwerpunktheftes zum Thema PLM danken möchte, und ich wünschen Ihnen viel Erfolg bei der Umsetzung Ihrer PLM-Strategien und viele wertvolle Anstöße und Anregungen bei der Lektüre des vorliegenden Heftes.