HMD 251, 43. Jahrgang, Oktober 2006

eHealth

Hilfe zur Selbsthilfe als Konzept für einen Adipositas-Begleiter

Thomas Königsmann, Frank Lindert, Rolf Walter, Reinholde Kriebel

Zusammenfassung

Intelligente, mobile Informations- und Kommunikationssysteme bieten im Umfeld der Gesundheitsversorgung große Wirkungs- und Einsparpotenziale. Diese Sichtweise teilen nicht nur Technologen, sondern insbesondere auch Mediziner. Dieser Beitrag stellt den vom Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik Dortmund in Zusammenarbeit mit der Gelderland-Klinik entwickelten personalisierbaren Adipositas-Begleiter vor, der für die Nachsorge in der Adipositas-Therapie entwickelt wurde.

Der Adipositas-Begleiter unterstützt stark übergewichtige Personen im täglichen Leben. In der Therapie erlernte Verhaltensweisen werden über Selbstkontrolltechniken (Planung, Erinnerung, Protokollierung, Feedback) und psychologische Hilfen (Motivierung, Selbstreflexion, Stressregulation) in den Alltag eingebaut mit dem Ziel, eine dauerhafte Lebensstiländerung zu unterstützen. Für die konzeptuelle Umsetzung wurde das aus der Berufspädagogik bekannte Modell "der vollständigen Handlung" auf das psychosoziale Problemfeld der Adipositas-Betroffenen übertragen. Der entwickelte Prototyp des Adipositas-Begleiters ermöglicht eine empirische Beantwortung der Fragen, inwieweit individuelle und maßgeschneiderte Informationsversorgung und Kommunikationsunterstützung zu dauerhaften Verhaltensänderungen beitragen, also helfen und "heilen" können, und welche Rolle ein solches digitales Gerät als "moderner Vertrauter" in einem therapeutischen Kontext übernehmen kann.

Inhaltsübersicht

  1. Einleitung
  2. Konzeption eines Adipositas-Begleiters
    1. Zielsetzungen
    2. Adipositas-Begleiter als mobile Alltagshilfe
  3. Anforderungen: Aus der Klinik in den Alltag
    1. Lebensgewohnheiten ändern bei chronischen Erkrankungen
    2. Vollständige Handlung zur Kontrollunterstützung
  4. Lösungskonzepte
    1. Dienste und Informationsstruktur
    2. Zusammenspiel der Dienste am Beispiel Ernährung
  5. Bewertung und Ausblick
  6. Literatur