HMD 252, 43. Jahrgang, Dezember 2006

Social Software

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Editorial

Social Software bzw. Web 2.0 - es gibt kaum eine aktuelle Veranstaltung rund um Informationstechnik oder Internet, in der diese Begriffe nicht auftauchen. Je nach Vortragsthema und Redner angepasst, scheint dieser "Oberbegriff" mittlerweile als Synonym für vielerlei Trends zu stehen: Internet-User, die nicht mehr nur Informationen suchen, sondern neue Kontakte aufbauen und Gleichgesinnte finden; Spezialisten, die bereitwillig ihr Wissen veröffentlichen und damit ganz neue Mechanismen der Publikation und Reputationssicherung realisieren; Firmen, die übers Web neue Formen der Mitarbeiter- und Kundenkommunikation verwirklichen; Softwarefunktionalitäten, die bis vor wenigen Jahren unter den nicht weniger populären Schlagwörtern "Computer Supported Cooperation Work" oder "Collaboration Software" firmiert haben.

Dabei reichen die Bewertungen von euphorischen Aussagen über die Geburt des "wahren" Internets über eher nüchtern-funktionsbezogene Bewertungen bis hin zu ablehnenden Betrachtungen, die unsere gesamte Kultur des Miteinanders in Gefahr sehen, wenn wir in Zukunft isoliert in unseren Wohnzimmern mit virtuellen Identitäten anderer Personen kommunizieren. Immer stärker kristallisieren sich jedoch die geschäftlichen Optionen heraus.

Letztlich gelten hier die gleichen Erfahrungswerte wie bei jeder umfassenden Veränderung der technologischen Optionen und Kommunikationsmöglichkeiten: Nutzer sind kreativ und handeln eigenwillig, manche Nutzungsformen moderner Kommunikationstechnik sind unerwartet und auf den ersten Blick befremdlich (so hat z.B. niemand an den Siegeszug von SMS geglaubt). Anfänglich überschwängliche Nutzungsraten und Auslastungsspitzen pendeln sich nach einer gewissen Zeit auf Normalniveau ein. Und ja, natürlich: Es gibt Veränderungen, und zwar auch dauerhafte. Kooperation, Begegnung oder zumindest ihre Anbahnung werden sich in Zukunft noch stärker virtualisieren. Doch diese Veränderungen sind genauso "gut" oder "schlecht" wie die Verschiebungen der Vergangenheit.

Und wir sehen die Entwicklung keineswegs als Einbahnstraße: Zwar bietet das Web "im Prinzip" die weltweite Plattform und Kooperation, es scheint aber ebenso lokale Bezüge zu stärken, z.B. Beziehungen im Stadtteil. So mancher Kollegenstammtisch unterm Kastanienbaum wurde bereits im Intranet initiiert und geplant. Und auch der Wissenschaftsbetrieb profitiert von neuen Publikationsformen und direkten Kommentierungsmöglichkeiten. Alles eine Frage der behutsamen Gestaltung und des reflektierten Umgangs mit neuen Möglichkeiten.

Wir wünschen Ihnen den gleichen Erkenntniszuwachs, den wir und unsere Co-Reviewer beim Durcharbeiten der Beiträge gewonnen haben. Neben eher grundlagenorientierten Artikeln und Begriffsklärungen haben wir uns wie immer bemüht, einen starken und vielfältigen Praxisbezug der Beiträge zu liefern.

Unser Dank geht an die Autoren, die mitgearbeitet haben, an Norman Zey, der wieder einen tollen Cartoon zeichnete, an die Redaktion und an alle, die zum Gelingen beigetragen haben. Ein großes Dankeschön geht ebenso an die Gastherausgeberin, Frau Dr. Hofmann, für die sehr gute Zusammenarbeit.

Viel Freude beim Lesen und eine schöne Zeit wünschen Ihnen

Ihre

Josephine Hofmann Knut Hildebrand