HMD 256, 44. Jahrgang, August 2007

IT-Industrialisierung

Herausgeber: Hans-Peter Fröschle, Susanne Strahringer

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Editorial

Nach Jahren des Kostendrucks auf die IT und einer Ära, in der IT-Manager als Mitverursacher einer Misere betrachtet wurden, kommt ihnen heute allmählich wieder der Status des Partners der Geschäftsführung in der Rolle des Innovators zu. Kagermann & Österle gehen in ihrem Werk "Geschäftsmodelle 2010" * sogar so weit, Folgendes zu postulieren: "Die Informatik ist für das Geschäftsmodell das, was Forschung & Entwicklung für die Produkte und Dienstleistungen ist." Viele IT-Manager mögen nun wieder aufatmen, aber dennoch ist etwas grundlegend anders für sie als vor etlichen Jahren, als wir uns in einer Ära befanden, in der IT noch als der Motor des Geschäfts schlechthin betrachtet wurde. Worin liegt dieser Unterschied?

Vor wenigen Jahren noch konnte der Erfolg über Defizite hinwegtäuschen, es wurde nahezu alles akzeptiert, sofern aus der IT heraus innovative Geschäftsmodelle entstanden. Dieser Zustand ist definitiv passé. Heute müssen IT- Manager erst ihre Hausaufgaben machen, und zwar so, dass sie sich dabei die Basis und den Freiraum für Innovation selbst schaffen. Dieses Erzielen eines Höchstmaßes an Professionalität diskutieren wir derzeit unter dem Schlagwort "IT-Industrialisierung". Hat die IT doch in so vielen Branchen schon zur Industrialisierung beigetragen, so ist es eigentlich nahe liegend, wenn nicht sogar überfällig, dass sie sich selbst auch diesem Trend unterziehen muss. Schon lange in der Hardware vollzogen, in der Softwareentwicklung auch bereits seit etlicher Zeit diskutiert, hält dieser Gedanke nun auch verstärkt Einzug in das Informationsmanagement, was für uns Anlass ist, diesem Thema ein Schwerpunktheft zu widmen. Dabei wollen wir der Frage nachgehen, wie sich typische aus Industrieunternehmen stammende Konzepte auf die IT, insbesondere das Informationsmanagement, übertragen lassen mit der Zielsetzung, die Effizienz und Effektivität der Leistungserbringung betrieblicher IT-Bereiche oder externer Dienstleister zu steigern. Die Beiträge in diesem Heft geben Ihnen auf Basis von Erfahrungen unserer Autoren Anregungen, welche Konzepte sich wie übertragen lassen, welche Grenzen es dabei zu beachten gilt und wo die größten Potenziale zu sehen sind. Referenzmodelle spielen dabei eine besondere Rolle, zum einen stellen sie eines der typischen Instrumente der Industrialisierung dar, zum anderen erfordert ihr zunehmender Einsatz aber auch ein an Industriekonzepten ausgerichtetes Management ihrer selbst. Die typischen Anwendungsgebiete, die unsere Autoren heranziehen, um ihre Erfahrungen zu vermitteln, sind das IT-Servicemanagement sowie die Softwareentwicklung und - wartung. Auch die Frage, wie man den Grad der Industrialisierung einer IT-Einheit bewerten kann, wird exemplarisch aufgezeigt. Wir hoffen, Ihnen, liebe Leser, damit genügend Ideen zu geben, welche Konzepte Ihr Unternehmen zur Steigerung seines Industrialisierungsgrades heranziehen könnte, damit Ihnen für das, was wir eingangs erwähnten, nämlich als Innovator im Unternehmen zu agieren, genügend Raum bleibt. Wie im Sport scheint auch hier zu gelten: Die Kür kommt erst nach der Pflicht. Aber mit der Pflicht alleine werden Sie keine Medaillen gewinnen.

Viel Spaß bei der Lektüre wünschen Ihnen

Hans-Peter Fröschle Susanne Strahringer

* Kagermann, H.; Österle, H.: Geschäftsmodelle 2010 - Wie CEOs Unternehmen transformieren. Frankfurter Allgemeine Buch, 2006, S. 277.