HMD 256, 44. Jahrgang, August 2007

IT-Industrialisierung

Herausgeber: Hans-Peter Fröschle, Susanne Strahringer

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Einwurf

von Oliver Lindner

Die REvolution in der IT

Ein neues Paradigma hält Einzug in die IT (Intelligente, von Menschen gesteuerte Technologie?).
Effektivität meets Effizienz, geküsst von Shareholder- Value und das Ganze unterstützt von Prozessmanagement, Servicemanagement, Automatisierung, Modularisierung mit dem Ziel der hohen Qualität, Kostenreduktion, Steuerbarkeit, Business Alignment und vielem mehr.

Es ist die Flucht der IT vor der Langsamkeit, den hohen Kosten, der Ineffizienz und dem Streben nach Wertschöpfung. Und vielleicht ist es auch ein wenig die Verführung der Consulting-Unternehmen, der Industrie und der "Zukunftsfirmen & Meinungsmacher", die Glückseeligkeit verheißen und uns helfen wollen, dem stetigen Wandel und dem Kostendruck Herr zu werden.

Ich bin seit nunmehr 13 Jahren in der IT tätig und wundere mich schon immer, warum vieles so langsam, teuer und irgendwie anders als in der freien Wirtschaft (z.B. Automobilhersteller) gelaufen ist und läuft. Mein Anspruch und meine Ungeduld fordern auch einen radikalen Wandel in dieser "alten" Welt. Wir nutzen in der IT nicht vollständig unser Potenzial und wir sind immer noch in manchen Bereichen "zu fett", um schlagkräftig, dynamisch, agil und schnell genug zu sein.
Wir sind gut, aber nicht exzellent. Da hilft auch das Jammern und Verleugnen nichts.

"Nicht die Leichen im Keller sind das Problem, sondern das Eingeständnis, daß man sie hat" (R. Sprenger).

Ich bin überzeugt: Industrialisierung ist zu kurz gedacht und zudem veraltet
Denken heißt Gedachtes infrage stellen. Und ich denke gerne
Haben Sie eigentlich gemerkt, dass wir einen "Krieg" hatten, um die Industrialisierung (Taylorismus - Maschine wichtiger als der Mensch) weit hinter uns zu lassen?

Industrialisierung = Prozessmanagement und Tools (Maschine). Was wir brauchen ist eine REvolution. REvolution = Zerstörung & Neuaufbau (Innovation) + Organisationsentwicklung + Menschen.

Revolution bedeutet, alte Häuser (Komfortzonen, Gewohnheiten, Glaubenssätze u.v.m.) einzureißen und komplett neu zu bauen, statt die alten notdürftig zu reparieren (Evolution). Zerstörung und Neuaufbau ist einfacher, als Altes zu verändern. Zerstörung muss Teil unseres Business werden, um uns stetig neu zu erfinden! Auch wenn es ab und an weh tut und erst erlernt werden will.

"Phönix aus der Asche" bei doppeltem Anspruch an Innovation, Wirtschaftlichkeit, Qualität, Effektivität und Performance in der IT.

Das potenzielle Problem ist: Wir definieren Prozesse und Methoden (über die wir monatelang sprechen, ohne diese zu leben), fechten erbitterte Kämpfe bei der Toolauswahl aus, betreiben Politik, erhöhen die Komplexität und laufen dabei Gefahr, die Menschen immer weiter zu überfordern, zu "entantworten" bzw. diese zu verlieren. Das muss nicht so sein. Kann aber passieren

Auch der stetig ansteigende Bürokratismus, der im Zeichen des unvermeidlichen Prozess- und Qualitätsmanagements daherkommt, lähmt zum Teil erheblich und stellt eine Hürde dar, die genommen werden will.

Die Herausforderung für die Revolution im Unternehmen ist oft enorm und die Angst vor Veränderung, Machtverlust oder die Selbstzufriedenheit einiger Menschen erstickt die Chancen, die wir nutzen könnten. Aber das Schöne ist, Chancen gehen nie verloren, diese werden immer genutzt - dann eben von der Konkurrenz.

Wie kann es trotzdem gelingen, die Chancen selbst zu nutzen?
Mit Mut (zur Lücke), Selbstverantwortung, Konfliktbereitschaft und Konsequenz, Pragmatismus (5 gerade sein lassen - der deutsche Stolperstein) und vor allem mit Führung, die uns den Weg zeigt - den Weg nach vorne.

Aber Vorsicht: Vorne ist nicht oben

Ich sehe die großen Chancen der REvolution in der IT und glaube daran. Vielleicht meinen das die Protagonisten der IT-Industrialisierung - wer weiß?

Aber die IT-Industrialisierung wird nur erfolgreich sein mit einem professionellen Change Management für die Organisationsentwicklung, Geduld, authentischen Führungskräften, die das vorleben, was sie von anderen erwarten, und dem Bewusstsein, dass so etwas länger als 3 Jahre dauert.

Derartig gravierende Veränderungen in der Welt der IT stellen kein Projekt dar. Es ist vielmehr ein neues Paradigma, nach dem wir anschließend leben werden.

Angeblich haben wir alle einen runden Kopf, um jederzeit den Blickwinkel ändern zu können, um eine neue Sicht auf die Dinge und die Situation zu bekommen. Dies haben wir jetzt getan und es tut gut, denke ich.

Die Kunst wird sein, die Balance zwischen Methode, Technologie, Wirtschaftlichkeit und Mensch zu halten; das Sinnvolle, Machbare (manchmal das Unmögliche) zu realisieren und die großartigen Erfolge zu feiern, die wir erreichen.

Dies alles mit dem Kunden bzw. dem Business im Fokus. Denn dafür sind wir hier.

Oliver Lindner IT Service Manager Siemens VDO Automotive AG Siemenstr. 12 93055 Regensburg Lindner.Oliver@siemens.com www.siemensvdo.de