HMD 265, 46. Jahrgang, Februar 2009

eGovernment

Herausgeber: Josephine Hofmann, Siegfried Reich

Offshoring in kleinen und mittleren Unternehmen der Softwareindustrie

Alexander Boden, Bernhard Nett, Volker Wulf

Zusammenfassung

Um ihre Wettbewerbsvorteile nicht zu verlieren, sind kleine und mittlere Unternehmen (KMU) der Softwareindustrie beim Offshoring auf ein hohes Maß an Flexibilität angewiesen. Die häufig für Offshoring empfohlene Formalisierung der Softwareentwicklung ist daher für KMU nur mit Einschränkungen möglich. Um die praxis-relevanten Probleme deutscher KMU im Kontext von Offshoring besser zu verstehen, untersuchen wir diese mittels qualitativer empirischer Forschungsmethoden. Wir zeigen anhand einer Einzelfallstudie, dass KMU im Rahmen von Offshoring häufig gezwungen sind, ihren Offshore-Entwicklern mehr Autonomie einzuräumen, als ursprünglich gewünscht wurde. Die geografische Verteilung von Kompetenz und Wissen erfordert dabei ständige informelle Abstimmungsprozesse zwischen den Teams. Diese sogenannte Artikulationsarbeit kann - als Pendant zu formellen Formen von Koordination - offenbar durch formale Koordinationswerkzeuge (etwa Fehlerdatenbanken) unterstützt, aber nicht ersetzt werden. Für KMU der Softwareindustrie kann es daher beim Offshoring notwendig sein, auf ein synergetisches Verhältnis zwischen formeller Koordination und informeller Artikulationsarbeit zu achten, statt die Entwicklung einseitig zu formalisieren.

Inhaltsübersicht

  1. Herausforderungen an KMU beim Offshoring
  2. Bedeutung von Artikulationsarbeit
  3. Methodik
  4. Fallstudie eines kleineren Standardsoftwareanbieters
    1. Unternehmenshintergrund
    2. Arbeitsteilung zwischen den Teams
    3. Artikulationspraktiken in geografisch verteilter Zusammenarbeit
    4. Diskussion
  5. Notwendigkeit informeller Koordination
  6. Literatur