HMD 265, 46. Jahrgang, Februar 2009

eGovernment

Herausgeber: Josephine Hofmann, Siegfried Reich

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Editorial

eGovernment, also das digitale Vernetzen von Bürgerinnen und Bürgern mit Behörden, Unternehmen und Intermediären, ist nicht nur ein etabliertes Forschungsgebiet der Wirtschaftsinformatik (siehe etwa HMD 226 aus 2002), sondern auch gelebter Alltag. Ist dies also ein Heft zu "eGovernment 2.0"? Oder eine Sammlung von Beiträgen zu Methoden, Technologien und Prototypen, die aber letztlich aufgrund technologischer und kultureller Eigenheiten dann doch nicht die ganz große Verbreitung erreicht haben?

Dieses Schwerpunktheft ist wohl ein bisschen was von beidem. Einerseits sind sowohl ein breiter politischer Konsens als auch ein klares Committment sichtbar: von der i2010-Initiative auf europäischer Ebene über viele nationale programmatische Anstrengungen bis hin zu konkreten Lösungen für eine moderne, effiziente und transparentere Verwaltung. Insbesondere die Entwicklung hin zu institutionenübergreifenden Lösungen - One-Stop-Shops - und den dafür notwendigen Prozessketten zeigt, dass man über die Entwicklung von Insellösungen hinausgekommen ist. Vielleicht gehören Sie ja auch zu jenen, die ihre Steuererklärung ganz selbstverständlich mit ihrer Bürgerkarte online erledigen

Die zunehmende Integration bedeutet aber auch, dass die Komplexität der Fragestellungen steigt, auf technischer, aber auch methodischer Ebene: Lösungswege sind vermehrt interdisziplinär zu suchen! Wir wissen um die unterschiedlichen regulatorischen Herangehensweisen in Bezug auf Sicherheit Bescheid; wir kennen die kulturellen Unterschiede der EU-27 und die damit verbundenen Ansichten (z.B. im Hinblick Privatsphäre oder eVoting); und wir kennen die Herausforderungen eines interoperablen Electronic Identity Management (eIDM).

Letztlich darf eGovernment sich aber nicht auf Dienstleistungseffizienz beschränken, vielmehr bilden die (technischen) Lösungen nur den Ausgangspunkt einer Neugestaltung der Interaktion von Staat und Verwaltung, Wirtschaft und Bürgerinnen und Bürgern in der Wissensgesellschaft. Die Tatsache, dass rund 30 % der europäischen Bevölkerung nicht einmal online sind (und sich dieser Wert auf absehbare Zeit kaum ändern wird), zeigt uns, dass diese Vision der "eGovernance" ein erstrebenswertes, aber durchaus noch entferntes Ziel ist.

Wir wünschen eine spannende Lektüre und bedanken uns bei den Autorinnen und Autoren für ihre Beiträge und dem dpunkt.team für die redaktionelle Bearbeitung.

Josephine Hofmann Siegfried Reich