HMD 273, 47. Jahrgang, Juni 2010

IT-basiertes Innovationsmanagement

Herausgeber: Josephine Hofmann

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Editorial

Kann man Innovationen systematisch managen? Und kann IT hierzu etwas beitragen? Wie Sie schon im Einwurf zu diesem Heft nachlesen können, kann man hierzu durchaus unterschiedlicher Meinung sein. "In der Balance zwischen innovativ und gemanagt liegt ein Dilemma", schreibt Christoph Mandl. Ganz zu Beginn steht immer die Idee, die sich nicht herbeizwingen lässt - und diese Idee, gerichtet entweder auf neue Produkte oder Prozessveränderungen, kann dann in der Folge mehr oder weniger systematisch entwickelt, geprüft, abgelehnt oder produktisiert werden.

Kann man dies managen? Die Antwort des Heftes lautet: Ja, wenn man einen erweiterten Managementbegriff zugrunde legt, der Prozesse kanalisiert, ohne die Ergebnisse im Voraus zu kennen. Es ist möglich, die Vielfalt der Ideen, die in einem Unternehmen entsteht, systematischer "aufzufangen" und zu würdigen, und man kann den Kreis der Menschen, die hierzu ihre Anregungen oder Bewertungen abgeben, dramatisch erhöhen. IT kann in Zeiten des weltweiten Internets, des globalen Zugriffs, der extrem vereinfachten Kommunikation und der Publizierung individueller Kommentare und Ideen den Zugriff auf die kollektive Intelligenz von Kunden, interessierter Öffentlichkeit, Partnern in der Wertschöpfungskette wesentlich einfacher machen. IT kann in der Anwendungsform der eCollaboration maßgeblich dabei unterstützen, in einem bestehenden Unternehmensnetzwerk oder entlang der Zuliefererkette übergreifende Verfahrens- und Produktinnovationen zeitgerecht gemeinsam zu entwickeln. Nicht zuletzt kann das weltweite Netz als Schatzkiste zur Identifikation bestehender Trends, Meinungen und Kundenpräferenzen genutzt werden.

Die Beiträge in diesem Heft bilden diese unterschiedlichen Ansatzpunkte ab. Es startet nach dem Überblicksartikel über bestehende Typologien IT-basierten Innovationsmanagements und aktuelle Einsatztrends in den Unternehmen mit der Frage, inwieweit IT-basierte Mechanismen der offenen Innovationsbewertung das Evaluationsergebnis verbessern. Die Frage, inwieweit die Weisheit der vielen auch zur Weiterentwicklung konkreter Dienstleistungen im Finanzdienstleistungssektor führen kann, entwickelt diese Fragestellung weiter in den eigentlichen Innovationsprozess hinein. Ein weiterer Beitrag thematisiert die Möglichkeit der IT-basierten Aktivierung von Kunden für den unternehmensindividuellen Innovationsprozess im Anlagen- und Maschinenbau.

Die nächsten Beiträge fokussieren dann die eher unternehmensinternen Prozesse des Innovationsmanagements und stellen Erfahrungen in den Mittelpunkt, die beim Einsatz IT-basierter Plattformen hierfür gewonnen werden konnten. Es geht dabei zum einen um kollaboratives Trendmanagement, zum anderen um innerbetriebliches Innovationsmanagement auf Basis der SharePoint-Technologie. Diese innerbetriebliche Perspektive wird schließlich wieder geweitet in einem Beitrag, der die Mechanismen und Erfolgschancen eines kollaborativen Innovationsmanagements in einem unternehmensübergreifenden Unternehmensverbund in der Textilindustrie untersucht. Der thematische Schwerpunktblock schließt mit einer Bewertung der damit zusammenhängenden Anforderungen an die Integration entsprechend heterogener IT-Systemlandschaften. Ich bedanke mich bei allen Autoren für die gute Zusammenarbeit und wünsche allen Lesern einen spannenden Erkenntnisgewinn.

Josephine Hofmann