HMD 278, ,

Feedback an den Herausgeber
Zum Inhaltsverzeichnis

Editorial

Anwendungen stellen zweifelsohne ein wichtiges Thema der Wirtschaftsinformatik dar. Aber wie kann es dann sein, dass wir noch nie ein Schwerpunktheft zum Application Management gemacht haben? Nach ein paar Recherchen hat sich mir schnell ein Verdacht aufgedrängt: Die Wirtschaftsinformatik als Wissenschaft und Lehrfach hat die Attraktivität dieses Themas noch nicht für sich entdeckt. Auch die wenigen Einreichungen zu diesem Heft aus Hochschulen haben dies bestätigt. Dies mag daran liegen, dass auch Wissenschaft und Lehre bisweilen in den - oftmals als Phänomen der Praxis - kritisierten fachlichen Silos denken: Fragestellungen der Anwendungsentwicklung werden in der Softwaretechnik adressiert und solche des Anwendungsbetriebs im Sinne klassischen Servicemanagements im Informationsmanagement. Das Fach Anwendungssysteme schließlich fokussiert sich stark auf Standardsoftware. Und letztlich scheinen Fragestellungen der Anwendungswartung in Wissenschaft und Lehre ohnehin unterbeleuchtet zu sein.

Wieso also behandelt niemand alle wesentlichen Fragestellungen entlang des Anwendungslebenszyklus aus einer ganzheitlichen Perspektive? Neben den angedeuteten Silos gibt es darauf keine wirklich sinnvoll vertretbare Antwort. Mein Zwischenfazit: Wissenschaftler müssen eingestehen, dass die Praxis ihnen hier einen deutlichen Schritt voraus ist. Der Begriff ist in der Praxis etabliert. Anwenderunternehmen kennen Organisationseinheiten, die entsprechend benannt sind, oder auch die Funktion des Application Manager. Zwar heißt dies auch in der Praxis noch nicht, dass dort Application Management idealtypisch funktioniert, denn auch dort ist eine Barriere klar erkennbar: Eine eher in Projekten organisierte Anwendungsentwicklung auf der einen Seite und ein eher in Routineorganisation strukturierter Anwendungsbetrieb haben zunächst relativ wenig miteinander zu tun. Aber viele der aktuellen Themen, die die Praxis und auch die HMD in den letzten Jahren verfolgt und geprägt haben, wie IT-Governance, Anwendungsportfoliomanagement, Unternehmensarchitekturen oder auch SOA, haben deutlich gezeigt, dass eine scharfe Trennung zwischen Entwicklungs-, Betriebs- und Wartungsfragestellungen nicht mehr zeitgemäß ist. Alle diese Themen erfordern eine ganzheitlichere Betrachtung von Aufgaben rund um Applikationen. Hinzu kommt, dass uns eine neue Generation von Anwendungen, die aus dem Web 2.0 stammt und sich mit dem Schlagwort "perpetual" assoziieren lässt, aufzeigt, dass die genannte Trennung bei bestimmten Anwendungstypen möglicherweise grundsätzlich infrage zu stellen ist.

Zusammenfassend bleibt festzustellen, dass es höchste Zeit ist, den State-of-the-Art dieses Themas aufzuarbeiten und zu zeigen, wie die Praxis die genannten Probleme löst bzw. Barrieren überwindet und Aufgaben entlang des Application Lifecycle angeht. Ihnen viel Spaß und Erfahrungszuwachs bei der Lektüre unserer Beiträge!

Dieses Heft ist vergriffen, d.h. nicht mehr lieferbar. Eine Neuauflage ist nicht geplant. Die Beiträge aus diesem Heft sind jedoch noch separat und kostenpflichtig bei GBI-Genios erhältlich.