HMD 278, 48. Jahrgang, April 2011

Application Management

Herausgeber: Susanne Strahringer

Als E-Book bestellen
Gedruckte Ausgabe bestellen
Feedback an den Herausgeber
Zum Inhaltsverzeichnis

Einwurf

von Matthias Melich

Applikationen leben

Kaum eine andere Disziplin ist derart produktiv bei der Kreation neuer Begriffe und Bezeichnungen wie die IT. Damit stellt die IT einen stetigen Born der Freude für Menschen dar, die sich mit Sprache und vor allem mit ihrer Semantik beschäftigen. Schaut man nämlich aus dieser Perspektive auf die Sprachproduktion der IT, dann ergeben sich z.T. interessante und durchaus amüsante Einsichten. Nehmen wir z.B. Google Earth. Vermutlich kennen alle Leser dieses Programm, doch was bedeutet Google Earth eigentlich: die Erde, wie Google sie sieht, oder die Erde virtuell bereitgestellt von Google. Ersteres wäre vermutlich bedenklich, denn es würde bedeuten, dass unsere Sicht auf die Erde durch das Programm gefiltert wäre und geprägt von dem kommerziellen Streben eines Konzerns. Für eine altruistische Sicht auf das Google-Programm müssten wir hingegen dankbar sein - erlaubt das Programm doch, unseren Platz auf der Erde zu finden und virtuell (und somit umweltschonend) eine fast göttliche Sicht (will sagen von oben) auf die Welt zu erhalten. Dies hätte den schönen Nebeneffekt, dass unser Verständnis vom lokalen Handeln und den globalen Auswirkungen wachsen würde - dank sei Google. Angemerkt sei an dieser Stelle, dass es ggf. noch eine dritte semantische Interpretation gibt: Wenn man sächsischen Ursprungs ist, dann könnte Google auch verstanden werden als Gugel (hochdeutsch Kugel). Dies würde wiederum bedeuten, dass das Modell der Erde als Scheibe dank Gugel Earth ein weiteres Mal eindrucksvoll widerlegt wird.

Ein zweiter wunderbarer Begriff ist Cloud Computing - frei nach Reinhard Mey also über den Wolken. Folgt man diesem Gedankengang, denkt man unwillkürlich an George Clooney in "Up in the Air" - den beständig sich in der Luft befindlichen Businessman, der dank "Cloud Computing" die Zeit im Flugzeug produktiv nutzt (statt Whiskey zu trinken und mittelmäßige Filme zu schauen). Leider sind diese Assoziationen jedoch gänzlich falsch - Cloud Computing steht letztlich nur für Rechenkapazität, die häufig gegen Gebühr zur Verfügung gestellt wird.

Wie schaut es nun mit Application Lifecycle Management (ALM) aus? Welche Assoziationen und Interpretationen gibt es hier? Die Antwort ist einfach und weitgehend profan: ALM kann diesbezüglich nicht mit Google Earth oder Cloud Computing mithalten. ALM ist Down to Earth: Es beschreibt die Prozesse, Methoden und Werkzeuge, die zur Einführung und zum Betrieb von Applikationen notwendig sind, mathematisch ausgedrückt: LM(A). Aus SAP-Sicht stellt Application Lifecycle Management ein Kernelement für den Erfolg und den ROI dar, den Kunden mit ihren SAP-Investionen erzielen. Einen semantisch interessanten Aspekt gibt es aber doch: Der Begriff Lifecycle deutet darauf hin, dass es Leben gibt, also dass die Applikationen, die gemanagt werden, als eigenständige Wesen zu deuten sind - ausgestattet z.B. mit einem eigenen Willen. Der Beweis, dass dies tatsächlich der Fall ist, wird streng wissenschaftlich nicht zu erbringen sein - rein empirisch aber schon, denn eine Vielzahl von Menschen wird bestätigen, dass ihre Applikationen partout nicht immer das tun, was sie wollten - ergo: Applikationen müssen einen eigenen Willen haben, was wiederum belegt, dass Applikationen ein Eigenleben besitzen, der Begriff ALM also angemessen ist.

Mit diesen Gedanken möchte ich Sie in die Lektüre des Hefts entlassen - in der Hoffnung, dass Sie von nun an ALM mit gebührendem Respekt betrachten und entsprechend verantwortungsvoll umgehen mit dem Ihnen anvertrauten digitalen Leben namens Applikation.

Dr. Matthias Melich SAP AG SAP-Allee 29 68789 St. Leon-Rot matthias.melich@sap.com www.sap.com