HMD 279, 48. Jahrgang, Juni 2011

Stammdatenmanagement

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von Array

Stemmen wir die Stammdaten!

Stammdaten. Klingt nach einem (hoffentlich stabilen) Baumstamm. Wenn seine Blätter rascheln, dann geht es dem Unternehmen gut. Und es ist schön, dass wir im Wald der Compliances, Governments und Stewards ein Wort haben, das darüber wirklich hinauswächst: »Stammdatenmanagement«. Ganze 20 Buchstaben!

Ganz ehrlich: »Master Data« ist doch langweilig. Wörtlich übersetzt bedeutet das so was wie Hauptdaten oder Grunddaten. Klingt technokratisch. Stammdaten sind da viel bildhafter. Ist auch erstaunlich, dass wir hierfür ein deutsches Wort haben. Wäre Stammdatenmanagement ein neues Thema, so gäbe es das sicher nicht. Offensichtlich beschäftigt uns schon lange, wie stabil unsere Transaktionen sind. Und wir haben ja nicht nur einen Stamm, wir haben ganz viele davon: Materialstämme, Kundenstämme, Lieferantenstämme usw.

Machen wir uns Gedanken über Stammdatenmanagement, kommt irgendwann die IT ins Spiel und stutzt unsere schönen Stämme zurecht. Was übrig bleibt sind: MDM, ERP, CRM, PIM, SRM, BPM, SOA, DMS, KPI, SFA usw. usf. Wahrscheinlich könnte ich jede beliebige dreibuchstabige Kombination aufführen und dank SAP und IBM (und natürlich vielen anderen) gäbe es die womöglich auch wirklich.

Klarer wird’s dadurch nicht. Gehören Stammdaten jetzt ins Stammdaten-(MDM-), Materialdaten-(ERP-), Kundendaten-(CRM-), Produktdaten-(PIM-), Lieferantendaten-(SRM-) oder ein sonstiges (XYZ-)System? Leider ist es schwierig, den Wald vor lauter Stämmen zu sehen. Den Weg durch ihn zu finden (BPM, d.h. Geschäftsprozessmodellierung) und die einzelnen Schritte miteinander zu verbinden (SOA, d.h. serviceorientierte Architekturen) ist eine Herausforderung. Insbesondere wenn wir wissen wollen, wie weit wir schon gekommen sind oder ob wir taumeln (KPI, d.h. Kennzahlen).

Denn natürlich braucht ein ERP-System nicht nur Materialdaten, sondern auch Lieferanten, Kunden und Preise. Das CRM-System steuert das Kunden»beziehungs«management. Doch was bringt eine Kundenbeziehung ohne den Artikelstamm? Lieferantendaten sind auch nur sinnvoll, wenn bekannt ist, welche Materialien sie liefern. Eine klare Abgrenzung ist hier schwer. Vielleicht hilft uns ja das HR-System (nur 2 Buchstaben!) und sagt uns, wer dabei helfen kann.

Auf Spanisch heißen unsere Stammdaten übrigens »Datos Maestros«. Wörtlich übersetzt die (Lehr-)Meisterdaten. Auch ein schöner Ansatzpunkt: Die Daten, die anderen Daten lehren, wie gut sie zu sein haben. Darum geht es auch im Deutschen, denn nur ein gesunder Baum hat gesunde Blätter, und je schlechter die Qualität des Stamms ist, desto mehr schöne Blätter (Aufträge) werden zu hässlichen Blättern (Reklamationen). Die Qualität der Stammdaten multipliziert sich in die Qualität der Transaktionen.

Die Qualität der Stammdaten leidet darunter, dass ein Ast nicht weiß, wofür der andere den Stamm braucht. Wir wissen ja: »Säge nicht an dem Ast, auf dem Du sitzt«, und ganz oben (in der Baumkrone) sitzen unsere dreibuchstabigen CEO, CIO, CTO, CFO oder COO. Deshalb bedarf es dieser, damit niemand an ihren Ästen sägt: dass den Erstellern, Verwaltern und Verwendern von Stammdaten eine ganzheitliche Organisationsstruktur zur Seite gestellt wird, die ihnen hilft, den Stamm zu hegen und zu pflegen. Nur so wird er renditeträchtige Früchte tragen und kein Risiko durch faule Äpfel darstellen.

Ich wünsche Ihnen, dass dieses HMD-Heft Ihnen dabei hilft, Ihren Stamm stabil zu gestalten.

Dipl.-Physiker Jochen Kokemüller Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) Nobelstr. 12 70569 Stuttgart jochen.kokemueller@iao.fraunhofer.de www.iao.fraunhofer.de