HMD 280, 48. Jahrgang, August 2011

Communitys im Web

Herausgeber: Andreas Meier, Siegfried Reich

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Editorial

Eine Informations- und Wissensgesellschaft betreibt ihre Wertschöpfung durch Aufbau, Verarbeitung und Weitergabe von digitalen GÜtern, aber ebenso durch Austausch und Pflege sozialer Beziehungen. Durch soziale Software binden sich Internetnutzer in die Wertschöpfungsprozesse ein. Gleichzeitig fördern webbasierte Plattformen fÜr Gemeinschaftsbildungsprozesse das Beziehungskapital. Eine Netzgemeinschaft hat jedoch nur eine Lebenschance, wenn sie auf einer Vertrauensbasis beruht, das soziale Kapital zu steigern vermag und selbst erstellten Ethikregeln nachlebt.

Webcommunitys sind in: Jeder loggt sich ins Facebook ein, twittert, lädt Fotos hoch, kommentiert, ereifert sich und gibt Persönliches von sich preis. Der Schutz der Privatsphäre wird von den Netzteilnehmenden selbst aufgehoben. Zudem: Das Internet ist eine perfekte Erinnerungsmaschine. Was einmal angekÜndigt wurde, lässt sich nicht mehr wegradieren. Webspezialisten sind Überfordert und denken Über eine geeignete DELETE-Taste nach, die schwierig zu realisieren ist. Ethikspezialisten und DatenschÜtzer verlangen, jede hochgeladene Information vom Urheber selbst mit einem Verfallsdatum zu versehen. Medien- und Webkommunikationsexperten suchen nach Verfahren, die Quelle und die Authentizität des Urhebers kenntlich zu machen.

Eine weitere Herausforderung bildet die Überwindung des Digital Divide, das heißt die Einteilung der Gesellschaft in Menschen, die den Anschluss ans Netz und die Wissensbasis haben, und solche, die sich einen Anschluss nicht leisten können oder denen der Zugang verwehrt wird. Hier mÜssen Regierungsstellen, Behörden und Unternehmen mit geeigneten Ausbildungs- und Aufklärungsinitiativen versuchen, die HÜrde zum Netzzugang möglichst klein zu halten.

Letztlich stehen wir mittendrin in der Informations- und Wissensgesellschaft. Wir mÜssen uns daher fragen, wie wir mit digitaler Vernetzung, mit Datenschutz und -sicherheit, Partizipation und dem Teilen von Wissen, neuen Formen der Arbeit und vielen anderen Fragen mehr umgehen. Das Schöne dabei ist: Wir alle können als Community diese wissenspolitischen Fragestellungen mitgestalten.

Liebe HMD-Leserschaft: Wir hoffen, dass Sie mit unserer Auswahl von Grundlagen-, Forschungs- und Praxisberichten die Potenziale von Webcommunitys besser einschätzen sowie die Chancen und Risiken bewerten können. Und noch etwas: Steigen Sie ab und zu aus der Netzgemeinschaft aus und bewahren Sie Ihr menschliches Grundrecht "to be left alone".

Andreas Meier Siegfried Reich