HMD 292, 50. Jahrgang, August 2013

Geschäftsmodelle der IT-Industrie

Herausgeber: Susanne Strahringer

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Editorial

Während meines gesamten Wirtschaftsinformatikstudiums in den 80er-Jahren bin ich nie auf das Wort "Geschäftsmodell" gestoßen. Kein Dozent hat es je verwendet, in keinem Buch oder Aufsatz habe ich es je gelesen, also ging es doch auch ohne. So wie Unternehmen ohne Geschäftsmodell Geschäfte machen konnten, so konnten Dozenten ihren Studierenden erklären, wie das funktionierte, ohne diesen Begriff je benutzen zu müssen.

Dann kam in den späten 90er-Jahren eine Zeit, in der man nicht mehr so richtig verstand, wie Unternehmen durch Aktivitäten im Web tatsächlich Geschäfte machten. Der Begriff und das Konzept wurden kreiert und es folgte eine Phase der nahezu inflationären Verwendung dieses Worts. Heute scheint auch das überstanden: Geschäftsmodelle sind für uns ein gängiges, scheinbar etabliertes Konzept. Etliche Wissenschaftler lehnen es aber noch immer aufgrund seiner fehlenden Theoriefundierung ab. Trotzdem, gerade die Wirtschaftsinformatik hat aus meiner Sicht in zweierlei Hinsicht davon profitiert: Für unsere Disziplin ist es wichtig, bei gestaltenden Fragestellungen bis auf die Ebene der Prozesse vorzudringen, denn mit und an diesen beginnt die eigentliche Detailarbeit des Wirtschaftsinformatikers. Prozesse lassen sich nur leider nicht eben mal so aus Unternehmensstrategien ableiten. Der Abstraktionssprung zwischen Strategie- und Prozessebene ist zu groß, sodass mindestens eine Zwischenebene benötigt wird. Geschäftsmodelle können genau diese Lücke schließen. Ihnen kommt in der Wirtschaftsinformatik somit eine methodische Bedeutung zu, was Gegenstand einer der folgenden Heftbeiträge ist.

Das zweite Argument, das Geschäftsmodellen in unserer Disziplin eine besondere Bedeutung verleiht, hängt damit zusammen, dass die IT-Industrie aufgrund der Immaterialität ihrer Produkte und den dort häufig anzutreffenden hybriden Formen der Wertschöpfung selbst oftmals ungewöhnliche und innovative Geschäftsmodelle nutzt, die in dieser Form in anderen Industrien nicht vorkommen. Webbasierte Geschäftsmodelle waren hier Vorreiter, heute sind es zum Beispiel Entwicklungen rund um Cloud Computing, Ubiquität und Industrie 4.0, die neue Geschäftsmodelle erfordern. Auch hierzu hat das vorliegende Heft einiges beizutragen. Zum Teil überschreiten wir dabei auch die Grenzen der IT-Industrie im engeren Sinne und begeben uns in andere Branchen hinein, die in großem Maße IT-abhängig sind.

Es sind aber nicht nur die außergewöhnlichen Geschäftsmodelle, die in Beiträgen dieses HMD-Hefts behandelt werden, sondern auch Themenfelder aus dem klassischen IT-Dienstleistungsspektrum, in denen man zwar nicht allzu viel Neues hinsichtlich eingesetzter Geschäftsmodelle erwartet, mit einer Geschäftsmodellbrille aber eine sehr interessante und neuartige Perspektive auf diese Themen erhält.

Was am Ende für Sie interessant ist und was nicht, das mögen Sie, liebe Leserinnen und Leser, selbst entscheiden. Ihnen viel Spaß mit diesem Heft und gute Ideen für Ihre zukünftigen Geschäftsmodelle!

Susanne Strahringer