HMD 293, 50. Jahrgang, Oktober 2013

Web Monitoring

Herausgeber: Andreas Meier, Marcel Blattner

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Einwurf

von Darius Zumstein

Zur Spannweite des Web Monitoring

Web Analytics, eine Teildisziplin des Web Monitoring, ist so alt wie das Internet selbst: Schon vor 20 Jahren wurden die Logfiles zu den ersten Websites der entsprechenden Webserver ausgewertet, um Rückschlüsse zu deren Nutzung abzuleiten. Die Logfile-Analyse als serverseitige Datensammlungsmethode hat heutzutage weitgehend ausgedient und musste der weit mächtigeren und genaueren clientseitigen Methode Platz machen. Mit ihr kann mittels JavaScript jeder einzelne Klick eines Besuchers getrackt werden, egal ob die Webseite statisch oder dynamisch ist, der Content synchron oder asynchron geladen wird.

Web Analytics, auch als Web Controlling, Web Tracking oder Webstatistik und auf Deutsch als Webanalyse bezeichnet, ist gemäß der Digital Analytics Association die Messung, Speicherung und Analyse von Internetdaten zur Optimierung der Webnutzung.

Mit Web Analytics wird im eBusiness analysiert, was auf der eigenen Website passiert und wie die Maßnahmen des Onlinemarketings (z. B. Suchmaschinenoptimierung, Suchmaschinenmarketing, Bannerwerbung) und des Website-Managements fruchten.

Web Monitoring schaut über den Tellerrand der eigenen Website hinaus und analysiert, was in den unendlichen Weiten des WWW geschieht (vgl. Tab. 1). Während die Grundgesamtheit (Informationsträger) des Web Analytics sämtliche Besucher sind, die mit der eigenen Website in Berührung kamen, ist jene des Web Monitoring weit größer und kann alle Internet-User und alle frei zugänglichen Webinhalte betreffen. Der Fokus des Web Analytics ist klar betriebswirtschaftlich bzw. mikroökonomisch, jener des Web Monitoring makroökonomisch. Daher ist sowohl die Reichweite als auch die Datenmenge, -vielfalt und -komplexität im Web Analytics weitaus geringer als jene des Web Monitoring. Hinzu kommt, dass die Daten des Web Analytics fast immer strukturiert sind, jene des Web Monitoring meist unstrukturiert. Entsprechend einfacher ist bei der Webanalyse auch die Entwicklung, Implementierung und Nutzung der entsprechenden Tools (wie z. B. Google Analytics oder Adobe SiteCatalyst). Auch die Menge und Komplexität der Web-Analytics-Daten hält sich im Vergleich zum Web Monitoring in Grenzen.

Die Analyse- bzw. Anwendungsfelder und der semantische Gehalt der Web-Monitoring-Systeme aus Forschung und Praxis sind ebenfalls größer einzuschätzen als jene des Web Analytics. Den Nachweis des betriebswirtschaftlichen Nutzens sind diese Systeme noch schuldig, während sich Web-Analytics-Tools in der Geschäftspraxis etabliert haben und nachweislich einen hohen Mehrwert generieren.

Interessant sind die neuartigen Berufsbilder, die mit der Entwicklung der Informationssysteme des Web einhergehen: Im Bereich Web Analytics arbeiten Webanalysten mit Web- und Onlinemarketing-Managern sowie mit Usability-Experten und Webentwicklern zusammen. Webanalysten rapportieren der Geschäftsleitung zudem die eSales Performance mit entsprechenden KPIs (Key Performance Indicators) und sind bestrebt, den Onlineerfolg durch kontinuierliches Test & Learn zu steigern.

Beim Web Monitoring analysieren beispielsweise Social Media Manager das Verhalten und die Kommentare der (potenziellen) Kunden in sozialen Netzwerken oder Kunden-/Produktmanager bzw. Marktforscher erhalten durch das (Social) Web wertvolles Feedback, Meinungen und Ideen.

Um eines klarzustellen nach den Abhörskandalen durch Regierungen und nach (teilweise gerechtfertigten) Vorwürfen des Macht- und Datenmissbrauchs von Internet-Großunternehmen wie Google, Microsoft, Facebook oder Apple: Sowohl Web Analytics als auch Web Monitoring haben nichts mit Kontrolle und Überwachung von Internet-Usern zu tun. Ganz im Gegenteil: Die verschiedenen Webinformationssysteme, sei dies nun auf der Corporate Website oder in sozialen Medien, haben zum Ziel, Transparenz zu schaffen und das Klick-, Such-, Schreib-, Informations-, Kommunikations- und Kaufverhalten von Usern im World Wide Web besser zu verstehen.

Es liegt im Interesse jedes seriösen Website-Betreibers, das Vertrauen seiner Nutzer aufzubauen und zu erhalten. Denn ohne Vertrauen und ohne einen kompetenten Eindruck beim Nutzer zu hinterlassen, wird es jedem Betreiber einer Website schwerfallen, die Ziele zu erreichen, die er sich gesteckt und wofür er viel Zeit und Geld investiert hat. Daher ist es im ureigenen Interesse von Website-Betreibern, die gesammelten Daten im Sinne und im Dienste der User zu verwenden und nicht zu missbrauchen. Das weitverbreitete Unbehagen, das viele Internet-User gegenüber Datensammlungen im Web haben, ist in den meisten Fällen ungerechtfertigt.

Web Monitoring ist besser als sein Ruf und der schale Nachgeschmack sollte spätestens mit der Lektüre dieses Hefts verschwunden sein.

Dr. Darius Zumstein Leiter eAnalytics Sanitas Krankenversicherung Jägergasse 3 CH-8021 Zürich darius.zumstein@sanitas.com www.sanitas.com