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1.3

Die Geschichte der Java-Plattform


Der offizielle Startschuss für Java war die Herausgabe des Java Development Kit (JDK) 1.0 im Januar 1996. Dieses JDK enthielt bereits alles, was für die Entwicklung von Java-Programmen erforderlich ist: eine Klassenbibliothek, einen Compiler und einen Interpreter. Auch Beispielprogramme und die Quelltexte der Klassenbibliothek waren von Anfang an enthalten und sind es bis heute. Die Klassenbibliothek des JDK 1.0 bestand aus lediglich sechs Paketen: java.applet mit den Basisklassen für Applets, java.awt für grafische Oberflächen, java.io mit I/O-Funktionen, java.lang, das den Kern der Sprache bildet, java.net mit Klassen zur Netzwerkkommunikation sowie java.util mit nützlichen Hilfsklassen.

1997 kam Version 1.1, die erstmals als JDK sowie als Java Runtime Environment (JRE) erhältlich war. Das JRE enthält lediglich die zum Ausführen von Java-Programmen erforderliche Laufzeitumgebung. Entwicklungswerkzeuge wie javac oder auch die Quelltexte der Standardbibliothek waren in dieser Distribution nicht enthalten. Mit der Remote Methode Invocation (RMI), die eine einfache Verteilung von Java-Programmen erlaubt, sowie der Java Database Connectivity (JDBC), einer Schnittstelle zum Datenbankzugriff, kamen zwei APIs hinzu, die für Unternehmensanwendungen wesentlich sind.

Die wichtigste Entwicklung des Jahres 1998 war die Entstehung einer neuen Bibliothek zur Erstellung von Oberflächen, der Java Foundation Classes (JFC). Die unzureichenden Möglichkeiten bei der Gestaltung grafischer Oberflächen mit dem bisherigen Abstract Window Toolkit (AWT) und dessen schwierige Portabilität waren bis dahin die wohl größten Schwächen des JDK bei der Entwicklung kommerzieller Anwendungen.

Das Hauptproblem vom AWT war, dass es alle Oberflächenelemente wie Buttons oder Dialoge mit plattformspezifischen Komponenten realisierte, was zwangsläufig Portabilitätsprobleme nach sich zog. Außerdem war man so hinsichtlich des Angebots an Komponenten immer auf den »kleinsten gemeinsamen Nenner« der einzelnen Plattformen angewiesen. Die einzige Möglichkeit zur Lösung dieser Probleme bestand in der Entwicklung einer komplett in Java erstellten Komponentenbibliothek.

Das Projekt für die Entwicklung der JFC hatte den Codenamen »Swing«, der schnell zum Synonym der Bibliothek wurde. Daher wurde schließlich das gesamte Paket Swing genannt. Swing wurde dann die größte Neuerung im JDK 1.2 und ist bis heute das mächtigste Paket mit einem Gesamtumfang von mittlerweile ca. 600 Klassen.

Das Erscheinen des JDK 1.2 Ende 1998 war sicherlich ein Meilenstein und der größte Entwicklungssprung in der Geschichte des JDK. Zeitgleich mit der Freigabe des Final Release des JDK 1.2 etablierte Sun den Begriff der »Java-2-Plattform«. Dies war nicht etwa die Ankündigung der Nachfolgeversion von 1.2, sondern ein neuer Name für die Virtual Machine und die Klassenbibliotheken auf dem Stand der Version 1.2.

Diese Maßnahme hatte daher weniger technische als vielmehr strategische und marketingbezogene Gründe:

Mitte 1997 begann mit der Herausgabe des Java Web Servers und des Servlet Developer Kits eine Entwicklung, die die Verbreitung von Java auf Serverseite stark beschleunigte und bis heute dazu beitrug, dass der Einsatzschwerpunkt von Java im Web mittlerweile klar auf der Serverseite liegt.

Tabelle 1.1: Die Entwicklung des JDK
JahrVersionPaketeKlassen
19961.07ca. 210
19971.122ca. 600
19981.259ca. 1500
20001.376ca. 1830
20021.4 SE135ca. 2700

Servlets sind Java-Programme, die als Teil eines Webservers laufen und dynamische Webseiten generieren. Die Portabilität von Java in Kombination mit den mittlerweile recht zahlreichen APIs waren für Web-Entwickler eine interessante Alternative zu CGI-Programmen.

Um die Nutzung der Servlet-Technologie weiter zu vereinfachen, wurde der Ansatz der Java Server Pages (JSP) entwickelt. Bei JSP werden HTML-Dokumente mit einfachen Java-Aufrufen versehen, die bei einer Client-Anfrage ausgeführt werden und dynamische Inhalte erzeugen. Das JSP-Framework wurde 1999 an die Apache Foundation lizenziert, um eine Standardisierung herbeizuführen und die Akzeptanz zu erhöhen. Im Jahr 2000 floss das Servlet Development Kit schließlich als Paket javax.servlet in das JDK 1.3 ein.

Für die Linux-Gemeinde unter den Java-Entwicklern kam Ende 1998 eine erfreuliche Neuigkeit: Zu diesem Zeitpunkt begann Sun, die Portierung der Java-2-Plattform auf Linux aktiv zu unterstützen. Zuvor wurde die Linux-Portierung des JDK nicht von Sun selbst, sondern vom Blackdown-Projekt vorgenommen. Ein Jahr später kam dann das erste JDK für Linux von Sun (Version 1.2).

Bis zum Jahr 1999 waren neben dem Kern des JDK so viele Java APIs entstanden, dass im Juni desselben Jahres gleich drei verschiedene Ausgaben des JDK angekündigt wurden, die jeweils spezielle Entwicklergruppen ansprechen:

Entsprechend der genannten Kürzel wurden ab diesem Zeitpunkt die Entwicklungskits bezeichnet. So wird die Standard Edition in Version 1.4 heute auch J2SE v1.4 oder auch J2SDK 1.4, Standard Edition genannt.

Im Mai 2000 wurde J2SE 1.3 herausgegeben. Diese Version enthielt erstmals die HotSpot Virtual Machine. Neben anderen Optimierungen kann diese Virtual Machine Programmstellen, die geschwindigkeitskritisch sind (»hot spots«), in Maschinencode übersetzen.

J2SE 1.4 wurde Anfang 2002 veröffentlicht. Wesentliche Neuerungen waren die Aufnahme eines API zur Verarbeitung von XML-Dokumenten sowie ein neues I/O-API, das eine effizientere Ein- und Ausgabe ermöglicht.


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